

Sonnabend, 11.10.2008, 19.00 Uhr, Erika-Hess-Eisstadion
5 : 6 (1:2 3:4 1:0)
1:0 (03:24) Kugler (Kuch) PP1, 1:1 (11:50) Wimmer PP1, 1:2 (14:34) Greulich (Schwabe, Leyva) PP1, 2:2 (21:11) Fritschken (Kugler) PP1, 3:2 (27:42) Schmidt (Tittus), 3:3 (29:44) Wimmer (Wahne, Brill), 3:4 (32:20) Greulich (Schwabe, Leyva) PP2, 3:5 (33:09) Rädercker PP2, 3:6 (35:42), Schwabe (Adamsky, Becher) PP2, 4:6 (38:29) Fritschken (Kuch), 5:6 (57:47) Fritschken (Masche, Kuch)
FASS: 36 + 10 (Tittus) + 10 (Hecker) + SpD und MS (Leibrandt) - 20/70/6
ELVN: 22 - 6/6/10
Die zweite Heimniederlage dürfte eine ernsthafte Krisensitzung nötig machen: Beim 5:6 (1:2, 3:4, 1:0) gegen Niesky schlugen einige Akademiker fatal über die Stränge. Nach einer Strafzeitenflut verlor FASS das Spiel innerhalb von fünf Minuten.
Ohne Zweifel hatten die Berliner einigen Grund, mit der Leistung des Schiedsrichter-Trios unzufrieden zu sein. Aber wie manchen Akteuren im zweiten Drittel die Sicherungen durchbrannten, das gibt sehr zu denken. Nicht nur ein spannendes Spiel war ruiniert, sondern auch die Chance auf einen Heimsieg, den FASS bitter nötig hatte. Niesky erzielte fünf von sechs Toren im Powerplay. Die entscheidenden drei Treffer fielen in der langen 3-5-Unterzahlsituation, die FASS seinem Amok laufenden Verteidiger Thomas Leibrandt und Referee Mario Linnek zu "verdanken" hatte.
Die Turbulenzen im Erika-Hess-Eisstadion lagen früh in der Luft. FASS spielte mit einem neuen Torhüter: Nicht Vegelahn hütete den Kasten, sondern der 19-jährige Förderlizenzler Benjamin Nitschke. Die letztjährige Nummer Eins, Stefan Leibrandt, war unter der Woche vom Training suspendiert worden. Wegen ihrer Strafen aus dem ersten Saisonspiel fehlten Aicher und Winkler. Obendrein ließ der FASS-Anhang die Unterstützung vermissen, vermutlich aus "Solidarität mit den Ausgesperrten", wie zu lesen war. Die Halle gehörte damit akustisch den 120 mitgereisten Tornado-Fans.
Nieskys Mannschaft hat sich verbessert, ist schneller und druckvoller geworden - das zeigten schon die ersten Minuten. Die alternden Tschechen sind weg, dafür machen einige Ex-Füchse aus Weißwasser ordentlich Wind. Doch FASS versteckte sich nicht und setzte auch auf Angriff; schließlich ist man im Sturm viel stärker besetzt als in der Abwehr. Das erste Überzahlspiel war fast erfolglos verstrichen, da schlenzte Jörn Kugler den Puck unbedrängt ins rechte Toreck von Thomas Bresagk. Die Führung hielt fast acht Minuten, bis Daniel Wimmer (zuletzt 58 Saisonspiele für Lausitz) den passabel haltenden FASS-Torwart Nitschke mit einem Flachschuss überwand, ebenfalls bei 5 gegen 4.
Dann die erste Szene, die im Wedding für heftigen Ärger sorgte: Bei einem Powerplay von Niesky hatte FASS die Gelegenheit zum Konter, wäre mit drei Mann gegen einen Verteidiger gelaufen. Doch an der blauen Linie stand der Linesman und blockte die Scheibe. Da kann das Zebra vielleicht auch an der Bande hochspringen, oder? Dieselbe Trantütigkeit gleich noch mal: Wieder blieb der Puck in der Hälfte von FASS, und Nieskys Top-Spieler Greulich knallte das Ding schließlich ins Netz. Die Akademiker versuchten alles, um bis zur Pause den Ausgleich zu schaffen, aber auch Spielertrainer Benjamin Hecker scheiterte mit einem Rückhandschuss am Torwart-Denkmal der Sachsen.
Im zweiten Drittel gewann der Gastgeber zunächst die Oberhand. Der dreifache Torschütze Marc Fritschken erzielte das 2:2 nach feiner Vorarbeit von Kugler, der anschließend selber eine Riesenchance hatte. FASS marschierte jetzt unablässig. Nachdem Patrzek zwei Mal ohne Glück blieb, erlief Neu-Stürmer Jan Schmidt - eine der "Blauhosen" von den Eisbären - den langen Pass von Tittus und düpierte wie ein routinierter Penalty-Schütze den keineswegs grandiosen ELV-Keeper. Doch nur zwei Minuten später traf wieder Wimmer zum 3:3. Dieses Tor ging auf die Kappe von Nitschke, der die haltbare Scheibe durchrutschen ließ. Damit schien alles offen für die zweite Hälfte des Spiels.
Nach umstrittenen Strafen gegen Tittus und Nitschke spielte FASS in doppelter Unterzahl, als Leibrandt in der 32. Minute ziemlich roh foulte. Doch mit 5 + Spieldauerdisziplinarstrafe für den Stock-Check war der Verteidiger noch nicht "zufrieden": Er attackierte den Linienrichter und bekam folgerichtig die Matchstrafe. Damit brummte er seinem Team eine zehnminütige Unterzahl auf, in der die Gäste alles klar machten. Zwar kam FASS durch Fritschken auf 4:6 heran, aber nur 29 Sekunden später zerstörte Hecker mit einem dummen Foul und genervtem Meckern die mögliche Aufholjagd. Ein Spielertrainer, der zwölf Minuten auf der Strafbank hockt, kann keine Ordnung in die Mannschaft bringen. Niesky verwaltete den Vorsprung gegen erschöpfte und letztlich chancenlose Akademiker.
Bester Spieler bei FASS war Kugler. Er gefiel als trickreicher Passgeber und hätte der Held der Berliner werden können, traf aber in der 51. Minute nur den Pfosten. Beeindruckend auch, mit welcher Hingabe Kugler sich noch gegen ein Empty Net Goal stemmte. Hingegen sollten jene Spieler, die aus Frust und Nervenschwäche den Großteil von 96 Strafminuten einsammelten, ihr fatales Auftreten überdenken.