Knaben
Archiv 2008/09

FASS - Young Dragons Erfurt

Sonntag, 07.12.2008, 13.15 Uhr, Paul-Heyse-Str.

 

8 : 7 n. P. (1:1 2:3 4:3 1:0)

Tore

0:1 (03:29) Feßer, 1:1 (11:46) Hartmann (Fritz)

 

2:1 (21:24) Hendriks, 3:1 (23:14) Gasde, 3:2 (33:36) Marquardt (Feßer, Rößger) PP1, 3:3 (37:17) Groß (Schütte), 3:4 (39:36) Rößger

 

3:5 (43:37) Feßer (Rößger) PP1, 3:6 (44:29) Rößger, 4:6 (47:15) Hendriks (Sarauer), 5:6 (47:43) Gasde (Hendriks), 5:7 (48:21) Marquardt, 6:7 (55:11) Gasde (Zimmermann, Hendriks), 7:7 (59:29) Schulz

 

8:7 (60:00 - GWS) Hartmann

PIM

FASS: 14 - 2/4/8

YDE: 4 - 0/4/0

Berichte

FASS schlägt den Tabellenführer

Großer Jubel im Paul-Heyse-Stadion

 

Björn Nickel pariert den fünften Penalty der Erfurter Young Dragons. Er reißt kurz einen Arm hoch, dann fährt er zur Bande und sieht seinem Mitspieler Nico Hartmann zu. Nico fährt mit dem Puck auf den Erfurter Keeper zu und im Stadion ist es so still wie noch nie an diesem turbulenten Nachmittag. Für ein paar Sekunden hält die Halle den Atem an, dann rutscht der Puck über die Linie. Großer Jubel im gut gefüllten Paul-Heyse-Stadion, und Nico verschwindet in der Traube seiner feiernden Mitspieler.

 

Drei Stunden vor dem entscheidenden Penalty hatte alles beschaulich angefangen. Im Vorprogramm des Spiels der FASS-Knaben gab es eine Ghostbuster-Aufführung der Synchroneisläuferinnen des TSC Berlin zu bestaunen. „Vielleicht sollten es unsere Jungs mal mit sowas probieren“ hörte man immer wieder von den Berliner Fans, die nach den Niederlagen der vergangenen Spiele nur wenig Hoffnung auf einen Sieg ausgerechnet gegen den Tabellenführer aus Erfurt hatten.

 

Der fachkundige Pessimismus der kritischen Fans wurde in der 4. Spielminute auch gleich bestätigt. Die dritte Reihe von FASS war bei ihrem ersten Wechsel noch nicht ganz wach, und kassierte das erste Gegentor. Dann aber wendete sich das Blatt langsam. Vielleicht hatten die Ghostbuster erfolgreich die bösen FASS-Geister vertrieben, vielleicht lag es auch daran, dass die Young Dragons ersatzgeschwächt angereist waren. Jedenfalls wurde FASS langsam feldüberlegen, und sogar in Unterzahl konnte der Puck aus dem eigenen Drittel herausgehalten werden. In der 12. Minute konnte Nico Hartmann nach Vorarbeit von Patrick Fritz dann auch tatsächlich den Ausgleich markieren, und kurz danach hatten dieselben Spieler nach einer tollen Kombination schon die Führung für FASS auf dem Schläger.

 

Schon im ersten Drittel hatte Walto Hendriks mit enger Scheibenführung und guter Spielübersicht geglänzt. Kurz nach Beginn des zweiten Drittels setzte Walto dann zu einem unwiderstehlichen Alleingang an und markierte mit einem Schlenzer in den Winkel die umjubelte Führung für FASS. Manche Beobachter waren sich nicht ganz sicher, ob sie diese eleganten Bewegungen tatsächlich gerade live gesehen hatten und fühlten sich an eine besonders gelungene Aktion an der heimischen Playstation erinnert. Mehrere Verteidiger hatte Walto auf seinem Weg abschütteln können; nach dem Tor konnte er seinen feiernden Mitspielern dann aber nicht mehr entkommen. Als Vanessa Gasde nur zwei Minuten später einen weiteren Angriff mit einem präzisen Schuss ins rechte obere Toreck abschließen konnte, schien alles für FASS zu laufen. Schüler-Trainer Jörg Dymke, der sich dieses Spiel nicht entgehen ließ, auf der Tribüne: „Schönes Tor von Vanessa, aber noch ist das Spiel nicht gewonnen.“

 

Der Mann kennt sich aus im Eishockey, und tatsächlich ließ nun ohne erkennbaren Grund die Laufbereitschaft der Berliner nach und unnötige Fouls sorgten zusätzlich für Strafzeiten und Gefahr für die eigene Mannschaft. Besonders ungünstig wirkte sich auch aus, dass manche Spieler beste Gelegenheiten für Wechsel nicht nutzten, obwohl sie schon lange auf dem Eis waren. So verlor das FASS-Spiel an Tempo und Intensität, und zwischen der 34. und der 45. Minute wurde aus dem 3:1 ein 3:6. In dieser Phase zeigten die Young Dragons auch, dass sie die trotz einiger Ausfälle gute Eishockeyspieler nach Berlin mitgebracht hatten.

 

Dann hatte Trainer Pascal Kube Mitte des Schlussdrittels genug gesehen und stellte noch einmal die Reihen um. Norman Schumann rückte zu Aaliyah Sarauer in die Verteidigung, und noch in derselben Minute fielen zwei Tore für FASS. Danach aber stürmte FASS zu ungestüm, die Gäste können kontern und das Spiel schien mit dem 5:7 schon verloren. In der 56. Minute schlugen Vanessa und Walto aber noch einmal zu. Die beiden ergänzen sich glänzend, wenn sie zusammen auf dem Eis stehen.

 

Es steht 6:7, noch vier Minuten zu spielen. Statt eines letzten Aufbäumens scheinen aber Spieler und Anhang von FASS eher gelähmt. Der Puck wird orientierungslos über das Eis geschoben. Vielleicht sind alle zu müde und glauben auch nicht so ganz an den unerwarteten Erfolg. Wieder mal scheint alles nichts genutzt zu haben. Das ist die Minute von Dustin Schulz. Er ist wohl der einzige in der Halle, der die Niederlage von FASS nicht akzeptieren will. Er hält den Schläger fest umklammert, stößt die Kufen ins Eis, und hat den Drang zum Tor. Ein paar Schritte in das gegnerische Drittel, sein Schuss schlägt links oben ein. Der Puck zappelt noch eine Weile im Netz, und Dustin hat seine Mannschaft ins Penalty-Schießen gerettet.

 

Große Freude bei den ungläubigen Berliner Fans, aber es sollte noch besser kommen. Obwohl der erste Erfurter Penalty sitzt und FASS verschießt, ist an diesem Nachmittag nichts unmöglich. Björn Nickel hält seine Mannschaft im Spiel, und dann läuft Nico Hartmann an und verwandelt zur Berliner Jubelfeier.

 

Trainer Pascal Kube war nach dem Spiel erleichtert: „Endlich sind die ersten Punkte da. Das war insgesamt eine hervorragende Leistung von der ganzen Mannschaft. Ich will auch insbesondere die Spieler dabei erwähnen, die heute etwas weniger Eiszeit hatten. Das harte Training zahlt sich langsam aus. Ehrgeiz und Siegeswillen waren der Schlüssel zu den beiden Punkten.“

 

FASS spielte mit Björn Nickel; Max George (A), Björn Bögner; Aaliyah Sarauer, Victor Grossmann; Richard Grossmann, Heidi Bruce; Patrick Fritz, Nico Hartmann, Christopher Groß; Norman Schumann, Walto Hendriks, Leon Zimmermann; Tarek Kleber, Vanessa Gasde (C), Dustin Schulz (A); Julien Eichhorn.

 

EG/07. Dezember 2008

Nachgefragt ...

Nico Hartmann verwandelt den entscheidenden Penalty (oben) und wird Sekunden später von seinen Mannschaftskameraden fast erdrückt (unten)

Nach dem Spiel gab dauerte es einige Zeit, bis Nico Hartmann alle Glückwünsche seiner Mitspieler entgegengenommen hatte. Dann hatte er noch Zeit für ein kurzes Gespräch.

 

Nico, wusstest Du vorher, dass Du den Penalty verwandelst?

Ich dachte eigentlich, dass ich daneben schieße.

 

Und wie ist er dann trotzdem reingegangen?

Na, der Freund von meiner Mutter hat mir vorher einen Tipp gegeben, wo ich hin schießen soll. Das habe ich dann gemacht, und drin war er. Dann war es schon erledigt.

 

Hast Du so etwas schon öfter erlebt?

Nein, bei einem Punktspiel war das mein erster Penalty. Aber im Training üben wir das natürlich manchmal.

 

Und als der Schuss drin war?

Ich habe mich einfach für einen Moment voll gefreut - und dann waren auch schon meine Kollegen da.

 

Jetzt noch zum Spiel davor. Wie beurteilst Du Eure Leistung?

Wir haben nach vorne gut gespielt, aber nach hinten waren wir zu unsicher. Auch die Stürmer haben zu wenig gearbeitet, wenn wir den Puck verloren haben. Außerdem haben wir zu viele Strafzeiten kassiert. Ich fand übrigens, dass die Erfurter manchmal ziemlich hart und fast brutal gespielt haben.

 

Was sagst Du zur Zusammenstellung der Reihen?

Ich fand es heute ganz gut. Natürlich will ich gerne mit meinen besten Freunden in einer Reihe spielen, aber ich sehe schon ein, dass sich das nicht jeder aussuchen kann.

 

Wie geht es jetzt weiter?

 

Natürlich mit viel Training. Ich finde, wir müssen unbedingt in der Stocktechnik noch zulegen und auch in der körperlichen Beweglichkeit. Man muss einem Gegenspieler auch mal ausweichen können.

 

Kannst Du den Fans noch ein paar FASS-Siege versprechen?

 

Versprechen natürlich nicht, aber ich denke schon, dass wir noch ein paar Punkte holen können. Wir wissen, dass es am nächsten Wochenende gegen die Spielgemeinschaft OSC/BSC schwer wird. Aber wir wollen auch da etwas erreichen.

 

EG/07. Dezember 2008