Regionalliga
Archiv 2009/10

FASS Berlin - ESC Halle 04

Mittwoch, 06.01.2010, 19.30 Uhr, Erika-Hess-Eisstadion

 

2 : 3 (0:1 1:2 1:0)

Tore

0:1 (06:10) Hruby (Fadrny, Kasperczyk)

 

0:2 (23:19) Kasperczyk (Fadrny, Hruby), 1:2 (32:12) Boiarchinov (Aicher, Kugler), 1:3 (37:53) Thiede (Pohling, Schmitz)

 

2:3 (40:51) Hecker (Hüfner, Patrzek) PP2

PIM

FASS: 14 + 2 x 10 (Hüfner, damit autom. SpD) - 0/2/42)

SBH: 24 - 6/4/14

Berichte

Saale Bulls gewinnen knapp bei FASS

Die Akademiker lieferten dem Favoriten ein enges Spiel, das aber leistungsgerecht 2:3 (0:1, 1:2, 1:0) verloren ging. Boiarchinov und Hecker trafen für die Berliner, deren bester Mann ihr Torwart Albrecht war.

 

Trainer Chris Lee konnte aus dem Vollen schöpfen, so dass bei den Akademikern gleich vier überzählige Erstsemester (Balko, Kruggel, Roubicek und Prüßing) die harte Bank der Reservisten drücken mussten. Mit drei Blöcken trat FASS den Bulls entgegen, die 15 Feldspieler aufboten. Nur 179 Zuschauer wollten das Duell des Tabellensechsten gegen den Zweiten sehen. Wer zu Hause blieb, verpasste ein sehr flottes Spiel mit fünf schönen Toren und Spannung bis zum Schluss. Bedenkt man, wie FASS noch im Oktober beim ersten Vergleich 2:9 abgeschossen wurde, war das eine riesige Verbesserung.

 

Hoher läuferischer Aufwand hüben, scharfe Steilpässe drüben - das war die Konstellation der ersten 20 Minuten. FASS spielte mutig nach vorn, vermochte die robuste Defensive der Hallenser aber kaum einmal zu knacken. Auch drei mittelprächtige Überzahl-Situationen raubten Norbert Pascha im Tor der Bulls nicht die Ruhe. Ein exzellenter Konter über Jedrzej Kasperczyk brachte stattdessen die Führung für die Gäste in der 7. Minute. Den Schuss von Jan Fadrny, bester Torjäger (19 Treffer in elf Spielen) der Liga, konnte FASS-Keeper Sebastian Albrecht mit dem rechten Schoner seitlich abwehren, aber da lauerte freistehend Petr Hruby, der die Scheibe im Netz versenkte. Albrecht blieb auch in der 17. Minute Sieger gegen Fadrny, als er FASS mit einer Glanztat im Spiel hielt, nachdem der NHL-erfahrene Tscheche durchgebrochen war und alles versuchte, um den Torwart auszuspielen. Mit solchen Paraden empfiehlt sich Förderlizenzler Sebastian Albrecht für DEL-Einsätze bei den Eisbären.

 

Die Tormöglichkeiten der Akademiker waren nicht so eindeutig. Benjamin Hecker (sehr lauffreudig) und Fabio Patrzek (traf den Außenpfosten in der 20. Minute) hatten noch die besten Szenen. Daneben imponierte vor allem der jüngste Spieler auf dem Eis, der 16-jährige Verteidiger Henry Haase, mit selbstbewussten Vorstößen und souveräner Scheibenführung. Überhaupt kam das flüssige, technisch anspruchsvolle Match den DNL-Jungs entgegen. Auch Feodor Boiarchinov, der mit den erfahrenen Recken Rumid Masche und Lucien Aicher auf Torejagd ging, zeigte eine gute Leistung.

 

Im zweiten Drittel übernahm aber Halle das Kommando. In der 24. Minute war es Kasperczyk, der den Puck unter die Torlatte knallte und die Führung auf 0:2 schraubte. In der 30. Minute hätte Hruby die Partie entscheiden können, als er freistehend das halb verwaiste Tor (Albrecht lag am Boden) nicht traf. In dieser Phase schnürten die Hallenser ihre Gegner bei gleicher Spielerzahl mächtig ein. Dann aber befreite sich FASS mit genau dem, was zuvor gefehlt hatte: zwingendes Flügelspiel und schnelle Kombinationen, die 2-gegen-1-Situationen heraufbeschworen. Haase auf Pass von Boiarchinov zeigte, wie man Halle in Verlegenheit bringen kann. In der 33. Minute Riesenjubel im Lager der Akademiker: Kugler hatte scharf an die blaue Linie gepasst, Aicher ging ins Drittel der Bulls, bediente Boiarchinov und der Zweitjüngste bei FASS machte das 1:2. Er ist 16 Jahre und sechseinhalb Monate alt - Statistiker, gab es jemals einen jüngeren Torschützen in der Regionalliga Ost?

 

Es dauerte allerdings nur fünf Minuten, bis Halle die richtige Antwort gab. Benjamin Thiede trat zu einem unwiderstehlichen Solo an, ließ alle Berliner stehen und überlistete auch Albrecht mit der Rückhand. Doch FASS schlug zurück: Bei doppelter Überzahl traf Benjamin Hecker in der 41. Minute mit einem fulminanten Schlagschuss ins Tor. Nun schien Halle tatsächlich etwas zu wackeln. Die Akademiker kamen aber bei einem aussichtsreichen Powerplay (30 Sekunden sogar 5 gegen 3) nicht in die richtige Formation. Auf die Schlussoffensive durfte man gespannt sein, der Ausgleich lag in der Luft.

 

Doch Sand ins Getriebe streute nun Schiedsrichter Metzkow. Zwei Drittel hatte der Mann in Streifen mit großzügiger Spielleitung für dicht bevölkertes Eis und bisweilen auch Überzahl des Außenseiters gesorgt. FASS bekam bis zur 50. Minute nur zwei kleine Strafen, was im Lager von Halle für Murren sorgte. So weit, so angemessen bei dem fairen Spiel ohne größere Nickeligkeit. Nun aber änderte Metzkow seine Linie und wurde übertrieben kleinlich. Er bestrafte hohen Stock, unkorrekten Körperangriff, Beinstellen, Behinderung und sogar einen angeblichen Bandencheck von Hecker. Trainer Chris Lee tobte auf der Mannschaftsbank (und später im Kabinengang). Doppelte Unterzahl für FASS in der 51. Minute, Torwart Albrecht parierte drei Mal fantastisch mit Schoner, Fanghand und Stockhand.

 

Auch FASS bekam noch einmal die Chance bei 44 Sekunden mit 5 gegen 3, aber der Pfosten wehrte den Schuss von Hecker ab. Als Benjamin Hüfner aus Ärger über eine Bankstrafe schimpfte, sah sich der Schiedsrichter zu einer Disziplinarstrafe genötigt, die schließlich zur 'Spieldauer' umgewandelt wurde, weil Hüfner immer noch nicht die Klappe halten wollte. Mit einer weiteren kleinen Strafe gegen Christian-Alexander Leers war FASS endgültig die Gelegenheit zum Ausgleich in letzter Minute geraubt. Halle nahm verdient die Punkte mit - die Akademiker konnten mit ihrer Vorstellung sehr zufrieden sein.

 

 Sven Crefeld für Radio Eiskalt