Schüler
Archiv 2010/11

SG Dresden/Halle - FASS

Sonntag, 31.10.2010, 13.30 Uhr, Dresden

 

4 : 3 (1:1 0:1 3:1)

Tore

1:0 (04:32) Weinert (Eberth), 1:1 (08:57) Lüttcher (Gasde, Hartmann) PP1

 

1:2 (38:52) Lüttcher (Hartmann, Kislat)

 

2:2 (43:17) Weinert (Eberth), 3:2 (44:32) Weinert (Peters, Junge) PP1, 4:2 (54:33) Weinert, 4:3 (56:41) Kislat (Gasde, Lüttcher) PP1

PIM

SGDH: 14 - 2/4/8

FASS: 14 - 2/8/4

Stimmen zum Spiel

Erik Kislat (kurz nach Spielende auf dem Eis kreisend): „Man, was für eine Schlacht!“

 

Trainer Jörg Dymke (einige Minuten nach dem Spiel): „Das war eine gewaltige Steigerung zum gestrigen Spiel. Es schien als ob eine andere Mannschaft gespielt hat. Endlich wird im Spiel auch mal das umgesetzt was wir trainieren. Ich bin heute sehr zufrieden.“

Berichte

Was für eine Schlacht

Eishockeytrainer sind besondere Menschen. Eishockey-Nachwuchstrainer erst recht. Wie lässt es sich sonst erklären, dass diese Jahrzehnte, Woche für Woche, beim Training versuchen, ihre Vorstellung von Eishockey wilden – oder manchmal nicht so wilden – Mädchen und Jungen zu vermitteln, um dann am Spieltag zu sehen, dass Vieles umsonst war. Oder hat der eine oder andere auch hellseherische Momente? So kam es uns heute vor, als Trainer Jörg Dymke gestern nach dem Debakel gegen die SG jegliche Worte verweigerte. Er brummelte nach dem desaströsen letzten Drittel in seinen Bart: „Lass mich heut in Ruhe, das besprechen wir morgen in Dresden!“

 

Eine Fahrt in die Sächsische Landeshauptstadt lohnt immer. Egal ob man die unvergleichlich schöne Altstadt besichtigt oder aber in die supermoderne Eisarena fährt. War eigentlich mal jemand vom Berliner Sportausschuss vor der Planung der Spielstätte am P9 dort?

 

Unsere FASS-Schüler waren heute dort und kratzten gewaltig am Lack des Tabellenführers. Das war nach dem gestrigen Spiel nicht zu erwarten. Und so begannen die Berliner auch: ängstlich, verunsichert – wie erwartet. Fünfte Spielminute schöne Kombination der SG, zwei Spieler allein vor dem Tor, 1 : 0 für die Gastgeber. Sollte es die Fortsetzung des letzten Drittels vom Samstag werden? Aber irgendetwas war mit den Weddingern geschehen. Waren es die Kekse oder doch das Training? Als die SG durch eine Strafe limitiert auf dem Eis stand, spielten Nico, Vanessa und Paul den Puck ins gegnerische Tor. Ausgleich! Als dann Ta kurz darauf leider nur den Schoner des Torwartes traf, aber Paul S. sich im Gegenzug nicht austricksen ließ, keimte Hoffnung auf. Es waren 12 Minuten gespielt und ein Klassenunterschied war nicht zu sehen. Das Spiel der Hauptstädter wurde ruhiger, besser. Erik nach schönem Zuspiel von Vanessa, leider vorbei, sein Einsatz war nach einem Zusammenprall gestern fraglich, aber heute umso wichtiger ... Die folgende Unterzahl der FASS-Schüler wurde souverän heruntergespielt, Chancen für die SG entstanden nicht wirklich und wenn, erledigte das die heute sehr gute Defensive. Zum Ende des Anfangsdrittels dann wieder Chancen für die Weddinger, der Pfosten und der gegnerische Torwart vereitelten aber die Führung in der Landeshauptstadt.

 

Die SG kam sehr früh aus der Kabine zurück. FASS ließ sich etwas mehr Zeit. Unterschiedlicher Gesprächsbedarf in der Kabine?

Der Mittelabschnitt begann wie das erste Drittel geendet hatte. Die Berliner mit dem besseren Zug zum gegnerischen Tor, die SG mit ihren klasse Einzelspielern aber immer gefährlich. Etwas Verwirrung in der 24. Minute nach verhängten Strafen des sehr guten Schiedsrichterduos auf der FASS-Bank. Als dann klar war, dass die Berliner in Unterzahl weiter spielten mussten, war uns auf den Besucherrängen nicht Bange. Unterzahl gegen die SG wurde bisher immer gut gespielt. So auch diesmal, und auch eine weiter Strafe wurde schadlos überstanden. Wie sollte es denn werden, wenn beide Mannschaften wieder mit gleicher Stärke auf dem Eis stehen? Oder es sogar ein Power Play für die Weddinger geben sollte? So in der 37. Minute, aber der Puck knallte nur gegen die Bande, statt ins gegnerische Tor. Davon unbeeindruckt machten die Berliner weiter. Sie waren im Mitteldrittel das bessere Team. Nutzten aber die zahlreichen Chancen nicht. Aber so wollten sie nicht in die Drittelpause. Erik zu Nico, der zu Paul L. und rein ins Vergnügen! Führung gegen den Tabellenführer! Endlich wurde der Aufwand belohnt. Der Gegenzug der SG änderte am schönen Zwischenergebnis nichts mehr.

 

Jetzt das Bangen in der Drittelpause. Kondition? Einbruch wie gestern? Die SG garantiert stinksauer: Rückstand gegen FASS? Viele Fragen, die der Schlussabschnitt beantworten sollte.

Es ging gut los. Paul L. alleine zum Tor ... Im Gegenzug die SG, diese jetzt wütender und als die Verteidigung zu sehr aufgerückt war, der Konter zum Ausgleich. Dann in Unterzahl die Führung der Sachsen in der 45 Minute. Die Eltern der SG dachten, dass es jetzt so weiter gehen werde, aber da hatten die Weddinger etwas dagegen. Kein Einbruch, aber leider auch kein weiteres Tor, auch bei einer fünf gegen drei Überzahlsituation. Die folgende Strafe gegen FASS wurde wieder einmal gut verteidigt. Eigentlich hatten sich schon alle beteiligten Berliner auf dem Eis und hinter der Bande mit der Niederlage gegen die SG abgefunden. Dieses knappe Ergebnis war zum Vortag schon eine Verbesserung, aber vor allem das Wie ließ uns ein wenig stolz auf die Berliner dort unten auf der Eisfläche blicken. Es ging hin und her. Mal die SG im FASS-Drittel, dann wieder gute Chancen – aber die Verwertung selbiger ... Wird das noch mal besser?

Dann begannen die letzten fünf und die spannendsten Minuten des Spiels. Als die SG in der 55. Minute wieder einnetzen konnte und das Spiel 4 : 2 stand waren einige an der Bande schon mit den Gedanken bei der Rückfahrt. Dann Strafe gegen die SG angezeigt, Paul S. runter vom Eis, Paul L. rauf . FASS im Drittel der Sachsen, diese aber cool in der Verteidigung, dann Strafe ausgesprochen, wieder Druck von FASS, die Stürmer standen gut, Vanessa und Paul versuchten es und Erik drückte die Scheibe über die Torlinie. Bange Blicke zur Uhr. Noch 3 oder 4 Minuten. Was war jetzt los? Nächster gefährlicher Konter oder der Ausgleich? Die Weddinger versuchten es erneut, die Sachsen kamen kaum noch aus ihrer Verteidigungszone heraus. Dann die brutalste Szene des Spiels: ein Ellenbogencheck eines Spielers der SG traf Dustin mit voller Wucht am Hals, der dann benommen auf dem Eis liegen blieb. Warum die Schiedsrichter hier nur eine 2-Minuten- Strafe verhängten, verstanden wir FASS-Eltern nicht. Trainer Dymke nutzte die Unterbrechung für eine Auszeit. Letzte Anweisungen für die verbleibenden Minuten - oder waren es nur noch Sekunden? Bully vorm Tor der SG, gewonnen, Paul S. sprintet vom Eis, ein zusätzlicher Stürmer ins Gewühle, Schuss, abgewehrt, Puck wieder erkämpft, Pass auf die andere Seite, wieder Schuss, diesmal der Torwart, die Sekunden zerronnen wie Goldstaub zwischen den Fingern! Alle Sachsen schmissen sich in die immer wütender werdenden Angriffe, die Sirene erlöste sie ...

Langsam kamen alle zur Ruhe. Dustin wurde auf der Bank behandelt. Dir von hier aus gute Besserung!

 

Wir glätteten uns die gerauften Haare, schaute uns an und merkten wie glücklich wir waren, weil unser Kinder verloren hatten ...Es war ein großer Kampf, der nicht mit Punkten belohnt wurde, aber unsere FASS-Schüler in der Entwicklung einen großen Schritt voran gebracht hat. Wie schon gesagt: eine Reise nach Dresden loht sich immer!

 

AS/31.10.10