Oberliga

ESC Halle 04 - F.A.S.S. e.V. Berlin

Freitag, 07.10.2011, 20.00 Uhr, Halle

 

2 : 4 (0:1 1:3 1:0)

Tore

0:1 06:24 Rick Giermann (Scholz)

 

0:2 20:39 Henry Haase (Schlenker, Supis)

0:3 30:20 Fabio Patrzek (Scholz, Giermann)

0:4 35:30 Fabio Patrzek (Haase, Giermann)

1:4 37:58 Troy Bigam (Lehmann, Burian)

 

2:4 47:47 Damian Martin (Szygula, Burian)

PIM

ESC Halle 04: 16
FASS Berlin:  16 + 10 für Haase

Zuschauer

2.400

Berichte

Auftakt nach Maß für die Akademiker

Das Team von Coach Chris Lee startete mit einem 4:2-Erfolg gegen Meister MEC Halle in die neue Oberliga-Ost Saison

Im ersten Drittel starteten die Berliner sofort brandgefährlich und setzten den Meister unter Druck. Bereits in der ersten Minute scheiterten Vincen Schlenker, Patrick Czajka und Benjamin Hecker gleich mehrfach am starken Hallenser Torhüter Lucas Steinhauer. In der siebten Minute konnten die Akademiker das erste Mal Jubeln. Nach einem schönen Aufbaupass von Chris Scholz zog Rick Giermann aus linker Position einfach mal ab und die Scheibe schlug im Kasten von Halle ein. Der Meister, bei dem die Verletzten Nikolaus Meier, Florian Eichelkraut, Arthur Lemmer, Martin Miklik sowie Alex Zille das Spiel von der Zuschauertribüne aus verfolgten, wirkte geschockt und konnte dem Berliner Sturmwirbel nichts entgegensetzen. Mit der 1:0 Führung im Rücken ging es für die Weddinger in die erste Pause.

 

Im zweiten Drittel es für das Weddinger Team sogar noch besser laufen. Nach 38 Sekunden zog der 18jährige Verteidiger Henry Haase von der blauen Linie ab und der abgefälschte Schuss flog in einer Bogenlampe auf Halles Goalie Lukas Steinhauer zu, der völlig verdutzt daneben griff und das zweite Tor kassierte. Halle versuchte es nur mit Einzelaktionen, aber der starke Christian Krüger fischte alle Schüsse des Meisters souverän weg. In der 31. Minute erhöhte Fabio Patrzek auf 3:0 und in der Volksbank-Arena wurde es langsam immer ruhiger. Die Hallenser verstärkten den Druck und das Körperspiel. Unschöne Szene war dann der Check im Torraum von Halles Artur Grass gegen Goalie Christian Krüger, der sich bei der Aktion am Knie verletzte und minutenlang auf dem Eis behandelt werden musste. Mit der 2 Minutenstrafe wegen Behinderung kam Grass gut davon. Krüger versuchte es noch mal, musste sich aber eine Minute später gegen Jimmy Hertel auswechseln lassen. Hoffen wir, das seine Knieverletzung nicht schwerwiegend ist. Nur 27 Sekunden später zeigte der ehemalige DEL-Spieler Fabio Patrzek wie trickreich er ist und erhöhte auf 4:0 für die Akademiker. Das blanke Entsetzen unter den Heimzuschauern konnte dann kurz vor dem Drittelende Troy Bigam mit dem 1:4 Anschlußtreffer in Hoffnung auf das letzte Drittel umwandeln.

 

Im letzten Drittel packten die Hallensen die Brechstange raus und zwangen die Akademiker in die Defensive. Trotz vieler Schüsse aus das Berliner Tor, konnte nur Damin Martin in der 48. Minute FASS Goalie Jimmy Hertel überwinden. Ein 5:3 Überzahlspiel machte die Partie bis zum Spielende nochmals spannend, aber die Akademiker konnten die Zwei-Tore-Führung über die Zeit retten und so mit einem Sieg in die Saison starten.

 

Nun steht am Sonntag um 14:00 Uhr der Heimspielauftakt gegen den Oberliga-Ost Pokalsieger Black Dragon Erfurt an. Der nächste schwere Prüfstein für das junge Team von FASS-Coach Chris Lee.


Saale Bulls starten mit Heimniederlage

HALLE (SAALE)/MZ. Das Bild des Tages gab es in der 38. Minute. Troy Bigam hatte gerade für die Saale Bulls getroffen. Alle, der Kanadier vornweg, rannten auf ihren Torwart zu, streichelten mit der Hand über dessen Kopf oder klopften ihm freundschaftlich auf den Rücken. Lukas Steinhauer, der erst 19 Jahre alte, in der Vorbereitung so zuverlässige Torwart - einer der talentiertesten überhaupt im deutschen Eishockey - stand zu dieser Zeit schon bereits hinter der Bande. Untröstlich. Helm, Handschuhe und Schläger hatte er längst weit von sich geworfen.

 

Steinhauer wusste genau: Er hatte mit kapitalen Fehlern ganz entscheidenden Anteil an der völlig unerwarteten 2:4-Pleite zum Start der Oberliga-Saison gegen Fass Berlin in der mit 4 200 Zuschauern nahezu ausverkauften Volksbank-Arena. „Jetzt bitte nicht, das muss ich erst mal verdauen“, knurrte Lukas Steinhauer. Er konnte sich trotz der große Geste von Bigam & Co. verständlicherweise zu keinem tiefschürfenden Kommentar zu seinem schwarzen Freitag durchringen.

 

Daniel Mischner suchte statt seines Torhüters nach Gründen für die Pleite. „Uns haben sechs verletzte Spieler gefehlt. Das sind alles erfahrene Stammspieler. Der Druck auf die jungen Spieler war enorm vor einem erwartungsfrohen Publikum“, sagte der Präsident. Kein Wort der Schelte für seinen jungen Torwart, der im Sommer als Förderlizenzspieler von den Hannover Scorpions gekommen war und bis zu diesem Tag ein absoluter Gewinn war. Stattdessen protestierte Mischner kräftig beim Hauptschiedsrichter, weil Steinhauer vor dem vierten Gegentreffer in der 35. Minute der Stock aus der Hand geschlagen worden war. Doch statt einer Zwei-Minuten-Strafe für Fass Berlin gab der Unparteiische das Tor.

 

Es war das unglaubliche 4:0 für Fass, ein Steinschlag für die in Richtung zweite Eishockey-Bundesliga schielenden Saale Bulls. Steinhauer ging danach entnervt vom Eis, machte Platz für Robert Wolfermann. Die Fans brüllten „Aufwachen!“ Co-Trainer Uwe Liebetrau rüttelte seine Jungs auf: „Jetzt gibt es nur noch Alles oder Nichts. Egal, was noch passiert.“

 

Tatsächlich wachten die Saale Bulls auf. Bigam traf noch im zweiten Drittel zum 1:4. Im letzten Abschnitt stürmte ausschließlich Halle. Allen voran Kilian Glück, der seine Verteidigerposition aufgeben durfte, und Benjamin Thiede. In der 48. Minute gelang Damian Martin noch ein zweites Tor. Zu mehr langte es nicht mehr. „Fass Berlin war ein großartiger Gegner. Die haben 40 Minuten lang sehr gutes Eishockey gespielt. Die Tore sind aus unserer Sicht natürlich sehr unglücklich gefallen“, sagte Trainer Jiri Otoupalik. „Ich bin trotzdem enttäuscht. Wir waren spielerisch lange Zeit unterlegen. Wir hätten mehr auf Kampfkraft setzen müssen.“ Steinhauer blieb als traurigster Mann des Tages zurück.

 

VON GOTTFRIED SCHALOW