» Mit Bestwert Ziel verpasst!

Die Vorrunde der Oberliga Ost ist Geschichte und der Kooperationspartner FASS sorgte mit 20 Siegen (je zwei nach Overtime bzw. Penaltyschießen) und 59 Punkten für die beste Oberligasaison, die die Akademiker je aufs Eis gelegt haben. Ein Wermutstropfen jedoch bleibt, leider reichte die Punktausbeute nicht für Platz zwei, so dass die Neu-Hohenschönhauser auch in diesem Jahr nicht die Meisterrunde erreichten. Die Saison war spannend bis fast zum Schluss, letztendlich fehlten drei Punkte zum Zweitplatzierten Leipzig. Versöhnlich stimmte am Ende, der zwar wertlose aber dennoch prestigeträchtige 5:2-Heimerfolgen gegen den Ostmeister MEC Halle. Nach diesem Spiel sprach Alfred Ehrlich mit FASS-Coach Chris Lee über die abgeschlossene Vorrunde.

 

Eis-Dynamo: Chris herzlichen Glückwunsch zur besten FASS-Oberligasaison aller Zeiten!

Chris Lee: Danke!

 

ED: Allerdings wurde mit Platz drei wieder die Meisterrunde verfehlt. Was überwiegt die Freude oder der Ärger?

CL: Ärger würde ich nicht sagen. Es ist eher Enttäuschung. Wir wollten eigentlich den zweiten Platz erreichen, dürfen aber dabei auch nicht vergessen, daß wir dieses Ziel bis zum vorletzten Spieltag noch vor Augen und in Reichweite hatten. Deshalb sind wir nur ein bisschen enttäuscht und zufrieden mit dem was wir dann doch im Endeffekt erreicht haben.

 

ED: Wie zufrieden bist Du mit der Entwicklung der aus der DNL zu Dir gekommenen Spieler?

CL: Ich glaube Sven Ziegler und Jonas Schlenker haben hervorragend gearbeitet, Ziegler durfte ja sogar einmal in der DEL ran. Aber auch die anderen John Koslowski und Alex Trivellato haben eine prima Entwicklung hingelegt. Ich bin mit allen zufrieden, die aus der DNL hochgekommen sind.

 

ED: Es hat den Eindruck, daß gerade bei den Überfliegern der letzten Saison, Vincent Schlenker, Thomas Supis und Henry Haase die Entwicklung etwas stagniert.

CL: Es war ein schweres Jahr für die Jungs. Bedingt durch den NHL-Lockout hatten die Eisbären mit Giroux und Brière zwei Topstars im Lineup, so daß sich die Einsatzzeiten für die drei in Grenzen hielten. Sie haben aber mit den Stars und dem DEL-Team trainiert, was ihnen sehr viel gebracht hat. Andersherum darf man nicht vergessen, daß es sich bei den Dreien immer noch um sehr junge Spieler handelt. Da suchen andere die ein wenig älter sind, wie Dominik Bielke und selbst ein Daniel Weiß noch nach Konstanz. Alle brauchen Spielpraxis egal ob in der Oberliga oder der DEL und dann so mit 23 oder 24 Jahren, dann können sie 15 bis 18 Minuten in der DEL spielen. Aber wie gesagt das wichtigste ist bis dahin Spielpraxis zu sammeln. Henry und Thomas haben ein paar Spiele in der DEL gemacht, dort viel gelernt und freuen sich allerdings auch wenn sie bei uns in der Oberliga antreten. Man kann so junge Spieler nicht in so kurzer Zeit von null auf hundert pushen. Ein zwei Jahre Oberliga und dann gleich DEL funktioniert nicht, es dauert manchmal ein bisschen. Da müssen wir und auch die Jungs Geduld haben, aber ich denke ihre Zeit wird noch kommen.

 

ED: Du sagtest, die drei werden noch kommen, mir ist aber aufgefallen, daß Vincent Schlenker bei 35 Spielen mit einer Bilanz von -10 der mit Abstand schlechteste im DEL-Kader ist. Gibt es angesichts dieser Tatsache Grund für Bedenken?

CL: Vincents Schwäche ist ganz klar sein Defensivverhalten. Im Offensivbereich hat er Talent ohne Ende, er kann hervorragend Schlittschuhlaufen und weiß wo das Tor steht. Wie gesagt er ist noch jung und zum guten Defensivverhalten gehört Erfahrung und das man das Spiel lesen kann. Aber gerade das lernt man nur über viel Spielpraxis. Er kennt seine Schwächen und arbeitet daran egal ob das beim Videostudium ist oder in Gesprächen mit Don Jackson oder Vince Mallette. Die Defensive bedeutet gerade für junge Spieler harte Arbeit, da muß er noch lernen aber das wird mit der Erfahrung noch kommen.

 

ED: Ist in dieser Hinsicht das Nichterreichen der Meisterrunde ein Nachteil, wenn man salopp gesagt nur gegen motivierte Amateurmannschaften spielt? Oder motiviert die Aussicht auf einen DEB-Pokalplatz?

CL: Ich habe meinen Jungs schon vorher gesagt, jedes Spiel soll Spaß machen und der Ernst kommt von allein, da jeder gewinnen will. Verlieren macht keinen Spaß und wir müssen jetzt in dieser Runde spielen und warum sollen wir die dann nicht gewinnen. Unsere Einstellung ist die, daß wir hingehen und jedes Spiel gewinnen wollen. Die Enttäuschung nicht die Meisterrunde zu spielen muß abgehakt werden und warum sollen wir nicht den Startplatz im DEB-Pokal gewinnen?

 

ED: Was war im Endeffekt der Grund, daß FASS Leipzig in der Endabrechnung den Vorrang lassen mußte?

CL: Nochmal, wir sind eine sehr junge Mannschaft. Wir haben sicher überraschend den ein oder anderen Punkt abgegeben und manche waren besonders ärgerlich, wie die Heimniederlage gegen die Preussen. Aber was die Jungs die letzten Spiele gemacht haben ist klasse. Wir haben zehn der letzten zwölf Spiele gewonnen. Wir haben über die gesamt Saison gekämpft, Punkte verloren und mußten uns am Ende einer erfahrenen Mannschaft, die Leipzig nun einmal ist, geschlagen geben. Leipzig und Halle sind Profimannschaften, die mit älteren und erfahrenen Spielern besetzt sind und wir ein Halbprofiteam mit sehr vielen ganz jungen Spielern. Ich finde dafür haben wir sehr gut abgeschnitten und ich bin stolz auf das Team. Schade, daß im Endeffekt drei oder vier Punkte fehlten aber der dritte Platz ist für dieses Team mit der Punktausbeute ein Erfolg.

 

ED: Wie fällt Dein Fazit bezüglich der neuen Heimspielstätte aus? Der Zuschauerschnitt wurde im Welli entgegen vieler Meinungen ja sogar leicht gesteigert?

CL: Ich denke der Wechsel hat hervorragend geklappt. Die Bedingungen für die Mannschaft sind topp. Ich hoffe, wir haben nicht allzu viele Fans verloren. Der Mannschaft sollte es eigentlich egal sein wo sie spielt, aber ich glaube so wie das Team gespielt hat, hat es neue Fans hinzugewonnen. Egal ob es Eisbärenfans sind oder ganz neue FASS-Fans, in den letzten Auswärtsspielen waren immer 30 bis 40 Leute vor Ort manchmal sogar 70 und das hat dem Team Spaß gemacht. Heute ging es um gar nichts mehr und zeitgleich werden die Eisbären im Fernsehen gezeigt und trotzdem hatten wir über 270 Zuschauer. Für das erste Jahr im Sportforum war es super!

 

ED: Zum Abschluß noch ein Wort zur Talent for Future Kampagne und unseren Paten John Koslowski.

CL: Die Kampagne ist ein absolutes Highlight. Auf der einen Seite zeigt es den Spielern, daß die Leute hinter ihnen stehen und auch die Fans oder Förderer identifizieren sich dadurch mehr mit dem Team und ihrem jeweiligen Partner. Zu John, er ist ein harter Arbeiter, gibt immer Vollgas und vielleicht, wenn man es denn vergleichen will, ist er jemand wie Matt Foy bei den Eisbären. Auch er ist ein sehr junger Spieler, der noch viel lernen muß. Er hängt sich rein, läuft viel und kämpft und braucht Zeit um noch mehr Spielverständnis zu erlernen.

 

ED: Danke Chris

 

Quelle: Eis-Dynamo #133

von Fass Berlin

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