» "Wir spielen in einer Zwei-Jahres-Liga um die goldene Ananas"

Wie der Sächsische Eissportverband am Sonntag mitteilte, wird es in der kommenden Saison keinen Aufsteiger aus der Regionalliga Ost geben. Dies sei bereits eine Woche zuvor auf einer Tagung der Landesverbände, des Deutschen Eishockeybundes sowie der Eishockeyspielbetriebsgesellschaft (ESBG) in Frankfurt beschlossen worden. Grund für diese Maßnahme: Die Oberliga Süd soll nach dem Willen der Verantwortlichen und der Clubs ab der Saison 2010/11 nur noch regional gespielt werden. Eine Oberliga Nord ist für diese Spielzeit nicht geplant. Lions-Geschäftsführer René Franke konnte sich nach Erhalt dieser Meldung kaum beruhigen. ?Das ist eine Frechheit und eine Schande für unseren Sport. Die kommende Saison verliert damit jeglichen sportlichen Wert. Wir spielen in einer Zwei-Jahres-Liga um die goldene Ananas" Im Jahr vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land trete man nun nicht mehr nur auf der Stelle. Man habe einen großen Schritt rückwärts gemacht. Franke will nun noch einmal mit Anwälten Rücksprache halten und erwägt eine Klage gegen die ESBG. Die hatte bekanntlich eine Leipziger Bewerbung für die Oberliga mit der Begründung abgelehnt, die erteilte Ausnahmegenehmigung habe nur für den Fall gegolten, dass es zu einer Teilung der Liga in Nord und Süd kommt. ?Wir werden noch einmal intensiv über die Sache nachdenken", so der Lions-Geschäftsführer, der sich wohl bewusst ist, dass eine Klage vor allem Unfrieden stiften würde. ?Sportlich scheint es mir aber inzwischen fast unumgänglich." Für die Löwen wird die Unattraktivität der kommenden Saison nicht das einzige Problem sein. Gut möglich, dass auch die bisherige Arbeit in Sachen Kaderzusammenstellung über den Haufen geworfen wird. ?Ich rechne damit, dass uns noch weitere zwei oder drei Spieler verlassen werden", so Franke. Trotz unterschriebener Verträge werde er ihnen aber keine Steine in den Weg legen. ?Ich kann jeden verstehen, der sich anders orientieren will." Trainer Zdenek Travnicek war am Sonntag ebenfalls schwer bedient und wollte sich zunächst nicht äußern. ?Das ist alles noch zu frisch. Da muss ich jetzt erst einmal eine Nacht drüber schlafen." Doch nicht nur in Leipzig dürften der Nicht-Aufstieg und die fehlende dritte Liga für Nord-Teams in der Saison 2010/11 für Wirbel sorgen. Auch die Nord-Vertreter der 2. Bundesliga sind von der Entscheidung direkt betroffen. Denn ein Süd-Absteiger würde von dort in die drittklassige Oberliga gehen, ein Nord-Absteiger dagegen in die viertklassige Regionalliga. Erst nach der Saison 2010/11 soll es nach dem Willen der Verbände wieder einen Weg nach oben geben. In der am Sonntag veröffentlichten Erklärung heißt es dazu: ?Deshalb einigten sich die in Frankfurt anwesenden Verbandsvertreter für die Saison 2010/2011 einen gemeinsamen Modus zu finden, um dann wieder einen Aufsteiger in die 2. Bundesliga auszuspielen. Dazu wird es im August eine Beratung der betroffenen Landeseissportverbände geben." Für die kommende Saison einigten sich die Club-Vertreter der Regionalliga Ost gestern auf einen Modus. Es wurden zwei Varianten erarbeitet. Welche greift, ist davon abhängig, ob die Eispiraten Crimmitschau mit ihrem Einspruch beim DEB-Spielgericht Erfolg haben und doch eine Lizenz für die 2. Bundesliga erhalten. Andernfalls würden sie ebenfalls in der Regionalliga Ost an den Start gehen, die dann elf Teilnehmer hätte. Bei bis zu zehn Mannschaften wird nach Verbandsangaben eine Doppelrunde gespielt. Der Sieger dieser Runde ist Meister der Regionalliga Ost. Bei elf Teams würde zunächst eine Einfachrunde gespielt. Die besten Sechs träfen anschließend in einer Meisterrunde (als Doppelrunde) aufeinander, die restlichen vier in einer Platzierungsrunde (als Einfachrunde). Zusätzlich besteht die Möglichkeit an einer gemeinsamen Pokalrunde mit der Regionalliga Nord und am Sachsenpokal teilzunehmen. Dazu ein Kommentar von Antje Henselin-Rudolph, LVZ-Online Eine Bankrotterklärung der Funktionäre Die deutschen Eishockey-Oberen haben die Regionalliga Ost für die kommende Saison zur geschlossenen Liga erklärt. Sportliche Ambitionen? Irrelevant. Der Wunsch nach attraktiven Spielen? Ungehört. Die Entwicklung des deutschen Eishockeys? Nicht vorhanden. Denn im Grunde ist das, was Vertreter von Landesverbänden, DEB und ESBG vor einer anderthalben Woche in Frankfurt beschlossen haben, eine Bankrotterklärung der Funktionäre. Im Jahr vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land war man nicht in der Lage, quer durch alle Ligen einen Modus anzubieten, der für Fans und vor allem auch für die Sportler einen Reiz bietet. Statt dessen vergrößerte sich die Kluft zwischen Nord und Süd. Wer in der kommenden Saison als Nord-Bundesligist absteigt, fällt ins Bodenlose. Wer in der kommenden Saison als Nord-Oberligist den Aufstieg nicht geschafft hat ebenfalls. Und wer bereits jetzt in der vierten Liga angekommen ist, der hängt dort nun für mindestens zwei Jahre fest. All das ist Ergebnis einer verheerenden Entwicklung, die mit der Ligenselbstverwaltung für die Bundes- und Oberliga ihren Anfang nahm. Seit dem war es an den Clubs sich zu einigen und einen Konsens zu finden, was mit zunehmender Zeit immer weniger gelang. Das große Ganze stand hinter dem steten Beharren auf den eigenen Standpunkten und dem Fokus auf die eigenen Interessen zurück. Unsolides Wirtschaften einiger Vereine und die damit verbundenen Insolvenzen taten ihr Übriges. Eishockey mutierte vor allem unterhalb der 2. Bundesliga zu einem instabilen Kartenhaus, dass zusammengehalten wurde von markigen aber am Ende doch substanzlosen Worten der Obrigkeit. In diesem Sommer stürzte es endgültig zusammen. Die Dummen sind nun die Vereine der Regionalliga Ost, die mit der Verbandspolitik und deren Konsequenzen leben müssen, ob es ihnen passt oder nicht. Die Dummen sind die Fans, die sich in der kommenden Saison den Kampf ums Nichts ansehen dürfen. Die Dummen sind die Spieler und Trainer, denen die Motivationsgrundlage unter den Füßen weggezogen wurde. Dummerweise sind es gerade sie, von denen die Faszination Eishockey lebt. Quelle: Antje Henselin-Rudolph für die LVZ-Online

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