» Letzte Scharmützel

Die Eissportler des ECC Preußen Juniors sind am 30. April ausgezogen. Seitdem ist die Deutschlandhalle am Messegelände verschlossen. In dem 1935 gebauten Haus trainiert kein Sportler mehr, es finden keine Veranstaltungen statt. Die marode Halle soll abgerissen werden, hat der Senat schon 2008 beschlossen. Doch das ist und bleibt umstritten - besonders je näher die Abrissbagger kommen. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat jetzt, wie berichtet, zum zweiten Mal aus Gründen des Denkmalschutzes die Genehmigung für den Abriss verweigert. Schon vorher hatten die Berliner Architektenkammer, die Baukammer und der Berliner Architekten- und Ingenieurverein das Vorhaben kritisiert. Auch der Landesdenkmalrat hat sich dagegen ausgesprochen. Dass die Deutschlandhalle deshalb vielleicht doch stehen bleibt, erscheint allerdings wenig realistisch. Denn der Senat will sich Konkurrenz für das Velodrom und die Max-Schmeling-Halle vom Hals schaffen. "Die Halle wird definitiv abgerissen", sagte gestern Brigitte Schmidt, die Sprecherin der Senatswirtschaftsverwaltung. Schon 1998 sollte die Halle, die große Schäden vor allem im Dachbereich aufweist und Betriebskosten von jährlich rund zwei Millionen Euro verursacht, weichen. Seitdem ist sie offiziell keine Veranstaltungshalle mehr. Weil aber das Eissportzentrum Jafféstraße abgerissen wurde, baute man die Deutschlandhalle danach aufwendig für den Eissport um. Mitte vergangenen Jahres beschloss dann der Senat erneut den Abriss - gewissermaßen als Trostpflaster für die Messe Berlin. Denn diese bekommt nicht den eigentlich gewünschten Neubau eines Tagungszentrums. Dafür wird das Internationale Congress Centrum (ICC) umgebaut und modernisiert, dem ebenfalls die Abrissbirne gedroht hatte. Sowohl das ICC als auch die Deutschlandhalle werden von der Messe betrieben. Weil die ICC-Sanierung bei laufendem Betrieb geschehen wird, sollen ab 2011/12 Ausweichflächen am Standort der Deutschlandhalle zur Verfügung stehen. Später will die Messe dort eine Ausstellungshalle von rund 15 000 Quadratmeter Nutzfläche errichten. "Nirgendwo anders ist auf unserem Gelände dafür Platz", sagt Messe-Sprecher Michael T. Hofer. Die Deutschlandhalle zu sanieren und für den Messebetrieb zu nutzen, hält er für abwegig. Die zur Verfügung stehende Fläche würde nur 3 000 Quadratmeter betragen. "Denn die Tribünen dürften wegen des Denkmalschutzes nicht entfernt werden", sagt Hofer. Das sei nicht wirtschaftlich. Die Messe ein Wirtschaftsunternehmen und müsse als solches agieren. Deshalb wird die Messe gegen den Bescheid des Bezirksamtes Widerspruch einlegen, kündigt Hofer an. Zumal Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) formale Gründe nutzte: Die Prüfung der Ablehnung des Abrissantrages der Messe erfolgte nicht in der vorgeschriebenen Frist. Nach Informationen der Berliner Zeitung wollte der Landeskonservator nicht zustimmen. Manuela Damianakis, Sprecherin von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), hält sich dazu bedeckt: "Wir hatten das Bezirksamt um einen Monat Verlängerung gebeten", sagt sie nur. Die Messe soll jetzt bis Ende Juli noch weitere detaillierte Nachweise über die Unwirtschaftlichkeit der Deutschlandhalle erbringen. Denn der Abriss eines Baudenkmals in Berlin wird laut Denkmalschutzgesetz nur erlaubt, wenn ein "überwiegendes öffentliches Interesse" vorliegt. In diesem Zusammenhang ist auch die wirtschaftliche Zumutbarkeit für den Eigentümer oder Betreiber zu prüfen. In den am Verfahren beteiligten Senatsverwaltungen glaubt man nur noch wenig an eine Einigung mit den Bezirksbehörden: "Kommt es nicht dazu, geht der Fall an die Oberste Denkmalbehörde", sagt Damianakis. Die hat dann in dem Streit um den geplanten Abriss das letzte Wort. Sie ist zwar bei der Stadtentwicklungsverwaltung angesiedelt. Doch sie entscheide "fachlich und völlig unabhängig", sagt Damianakis. Quelle: Birgitt Eltzel für die Berliner Zeitung

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