» Manfred Wolf hungrig auf Erfolg

Hochdeutsch sprechen konnte er noch nie, Eishockey spielen dafür umso besser. ?Meine Mutter ist Österreicherin, mein Vater kommt aus Würzburg. Sie haben sich in Kanada kennen gelernt", erzählt Manfred Wolf, der 1957 in Toronto geboren wurde. Die Familie habe sich damals entschlossen, fast nur Englisch zu sprechen, um nicht als Außenseiter zu gelten. So kommt es, dass aus dem Deutsch von Mr. Wolf noch heute ein starker nordamerikanischer Akzent herauszuhören ist. Macht nicht's - die Sachsen verstehen ihn. Erst recht die Vereinsführung und Sportler von Regionalligist ERV Chemnitz, bei dem der Deutsch-Kanadier als Trainer angeheuert hat. Obwohl sein Vertrag erst am 1. August beginnt, düst der 52-Jährige für die Wild Boys schon durch die Kante. ?Ich will hier was bewegen", sagt Wolf, der in Oberlungwitz wohnt. Dabei kann er einen schier unendlichen Erfahrungsschatz als Eishockeyspieler in die Waagschale werfen. Wolf nahm mit der deutschen Auswahl an fünf Weltmeisterschaften und zwei Olympischen Spielen teil. ?1978 hat mich der damalige Mannheimer Trainer Heinz Weisenbach nach Deutschland geholt. Er war nach Kanada zu einem Play-off-Spiel gekommen, in dem ich gut gespielt und in der Verlängerung das Siegtor erzielt habe", blickt der Eishockeyverrückte zurück. In Mannheim sollte er eine unvergessliche Zeit mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft als Sahnehäubchen (1980) erleben. Zehn Jahre später wiederholte er diesen Triumph mit der Düsseldorfer EG. Höhepunkt waren ohne Zweifel die Olympia-Teilnahmen 1984 in Sarajevo und '88 in Calgary. ?Ich musste schon schmunzeln, als ich hier angefangen habe. Damals in Calgary saß ich mit Katarina Witt am Tisch. Und jetzt bin ich in der Stadt, wo sie groß geworden ist", bemerkt Wolf mit verschmitztem Lächeln. Rein sportlich gesehen denkt er besonders gern an das Eishockeyturnier in Sarajevo zurück. ?Damals war ich gut drauf, und wir sind mit der deutschen Mannschaft Fünfter geworden", betont ?Mannix", wie sein Spitzname lautet. Dass wenige Jahre später dort ein schrecklicher Krieg toben würde, habe er fast erahnen können. ?Die Kontrollen im olympischen Dorf waren äußerst streng. Man sah Männer mit Gewehren. Da war mir klar, dass in diesem Land etwas nicht stimmen konnte", sagt Wolf nachdenklich. Chemnitz ist seine sechste Trainerstation. ?Ich will ein Team mit jungen Leuten aus der Region aufbauen. Dazu sollen zwei bis drei Ausländer kommen", kündigt der 52-Jährige an. 14 Puckjäger seien bisher unter Vertrag. ?Wir machen jetzt schon Konditions- und Krafttraining. In die Saison wollen wir mit insgesamt 22 Spielern starten", so Wolf. Er bemängelt, dass es bisher keinen Stab um die Mannschaft gab. ?Das habe ich geändert. Künftig wird es einen Co-Trainer und zwei Betreuer geben, damit wir professioneller mit der Truppe arbeiten können." Der neue Coach will mit Tempo-Eishockey deutlich mehr Zuschauer in die Eissporthalle locken. ?Schon im ersten Jahr sind 1000 Leute mein Ziel", lehnt sich Wolf weit aus dem Fenster - und kündigt einen Knüller an: Gemeinsam mit Geschäftspartnern veranstaltet er am 14. November im Eisstadion einen Sporttag für Kinder, bei dem die unterschiedlichsten Sportarten angeboten werden. ?Abends gibt es ein Showprogramm, unter anderem mit Künstlern wie Mike Krüger und Bernhard Brink." Quelle: ERV Chemnitz - Mario Schmidt für die Freie Presse

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