» Neues vom Siegmunds Hof

Hilfe leisten dabei nicht nur die Förderlizenzen, die den freien Akademikern zur Verfügung gestellt wurden, sondern auch das Betreuerpersonal, ist denen, die die Oberliga der letzten Jahre verfolgten, bekannt. Cheftrainer ist Chris Lee, Betreuer Paul Hufschläger und Physiotherapeutin Anna-Lena Gerike. Falsch wäre es in diesem Zusammenhang von einer Vereinnahmung der FASSler durch die Eisbären zu reden. Auch wenn dies ewig gestrige Kleingeister aus Charlottenburg nicht lassen können. Beide Seiten sowohl die Eisbären als auch FASS sprechen unisono von einer Kooperation, die beiden Seiten weiterhilft. Die Eisbären steuern talentierte Nachwuchshoffnungen sowie Know-how bei und FASS etabliert sich als zweite Eishockeykraft noch vor den Preussen. Im letzten Jahr sah dies noch ganz anders aus, erst kurz vor Ultimo konnte FASS den ersten Dreier landen, heuer stehen sie mit 15 Punkten aus 13 Spielen wesentlich besser da. Aber auch die Juniorsspieler profitieren von ihren Einsätzen in der Regionalliga. Jari Pietsch und Benjamin Hüfner schafften über diesen Umweg immerhin den Sprung in den Dresdner Zweitligakader. Aber auch die ganz jungen DNL-Spieler sammeln dort mehr Erfahrung als es nur mit Spielen in der Nachwuchsliga möglich wäre. Über die Schwierigkeiten der Arbeit mit aufstrebenden Talenten und ?Hobbyspielern? zu trainieren sprachen Tatanka und Alfred Ehrlich nach der 2:3-Heimniederlage nach Penaltyschießen gegen Johnsdorf mit Coach Chris Lee. Eis-Dynamo: Chris, wie erklärst Du Dir, daß FASS Berlin derzeit erfolgreicher als in der letzten Saison ist? Liegt es nur an der Kooperation mit den Eisbären? Chris Lee: Es hat sicherlich viel damit zu tun, allerdings liegt es nicht nur an der Kooperation mit den Eisbären. Sicher, Spieler wie Pietsch, Hüfner oder die jüngeren DNLer bringen mehr Schwung und Elan mit. Aber auch die älteren Spieler, die schon eine ganze Weile bei FASS sind, haben wieder mehr Spaß am Eishockeyspielen. Der war letzte Saison so nicht mehr vorhanden, wenn man in der gesamten Saison nur sieben Punkte einfährt, geht logischerweise irgendwann der Spaß verloren. Sie werden aber auch angesteckt von der Motivation, dem Elan und der Energie, die die jungen Spieler mitbringen und wollen natürlich mit den Jungen mithalten. Hinzu kommt eine bessere Organisation als letzte Saison, etwas härteres Training und als Ergebnis von allem springen ein paar Punkte mehr heraus. ED: Der von Dir angesprochene Elan war heute deutlich zu sehen, gerade die Reihe mit Sebastian Uvira und Vincent Schlenker überzeugte im Spiel mit ihrer Arbeit und Schnelligkeit. Glaubst Du, daß die Regionalliga die richtige Liga zu Fortbildung der DNLer ist? CL: Ich glaube schon. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, daß die Anforderungen in der Oberliga, gerade für die jüngeren DNL-Jahrgänge zu hoch sind. Schlenker und Uvira können hier im Männerspielbetrieb Über- bzw. Unterzahl spielen und machen das auch. Von diesen Einsätzen profitieren sie dann selbstverständlich auch in ihrem ?normalen? Spielbetrieb in der DNL. Sie lernen hier von den älteren Spielern und ihrer Erfahrung. Erfahrung ist sowieso absolut wichtig, wenn man vom Junioren- in den Männerspielbetrieb wechselt, denn das ist gerade der Unterschied zwischen den Spielergenerationen. Diese Übermittlung der Erfahrung hat zuletzt in der Oberliga gefehlt, da ja nur noch junge Spieler im Team standen. Das ist hier anders und es ist wirklich schön hier an der Bande zu stehen und dabei zuzuschauen wie die älteren, ihre Erfahrung an die Jungs weitergeben z. b. In Sachen Stellungsspiel. Diese Mischung ist einfach super, die einen bringen ihren ungestümen Elan und die anderen ihre Erfahrung in den Trainings- und Spielbetrieb ein. ED: Wie schwer ist es eigentlich für Dich jedesmal mit einer andern Mannschaft aufzulaufen, das Spielerkarussell dreht sich ja rasant schnell? CL: Ganz schön schwer. Vor dem Spiel heute habe ich schon gedacht, das wird schwierig zu gewinnen, denn in der Zusammenstellung haben wir noch nie gespielt. Wir haben selbst so noch nie trainiert und haben die ganze Saison noch nicht ein Spiel gehabt, wo dasselbe Team des vorherigen Spieles aufgelaufen ist. Aber das ist halt so bei solch einem Projekt. Wir sind im ersten Jahr und wollen hier was entwickeln, dann muß man mit diesen Umständen auch leben und umgehen können. ED: Ist man da, als Coach, eher traurig oder freut man sich, daß Pietsch und Hüfner zwar fehlen, aber den Sprung in die zweite Liga geschafft haben? CL: Oh, eigentlich freue ich mich darüber. Es war sicherlich nicht leicht für die beiden, die ganze Zeit hier zu spielen, vielleicht hatten sie sogar das Gefühl stillzustehen. Es gibt keine Oberliga mehr, andere Jungs sind schon in Dresden und sie nicht, darüber waren sie wahrscheinlich auch ein bißchen enttäuscht. Aber sie haben sich hier entwickelt und, das ist ja das, was auch Steffen Ziesche in Dresden will, daß die Jungs hier hart arbeiten, um dann ihre Chance zu nutzen. Beide haben sich verbessert, gerade im athletischen Bereich, sie sind ein Jahr älter und damit erfahrener, kurz und gut: Ich freue mich darüber, daß sie die Chance haben oben zu spielen. ED: Wie kann man sich den Trainingsablauf bei FASS vorstellen? Da gibt es doch garantiert ein Durcheinander, die einen gehen arbeiten oder studieren, haben also keine Zeit täglich einmal oder gar zweimal zu trainieren und die anderen stehen fast den ganzen Tag zur Verfügung. CL: Normalerweise haben wir dreimal in der Woche Eistraining und zwar 21.00 Uhr bis 22.15 Uhr, da ja wie du schon sagtest einige bei uns arbeiten gehen. Für die ist das aber auch nicht leicht, erst arbeiten, dann nach Hause schnell was essen und dann Eistraining. Mit den jungen Spielern trainieren wir sehr viel individuell, meist sechsmal die Woche. Da ist viel Athletik bei und dann halt mit den anderen dreimal Eis. So haben wir dann im Schnitt ca. 16 Leute auf dem Eis dabei, das geht schon. ED: Wie läuft die Abstimmung mit Andreas Gensel (Trainer des DNL-Teams), welcher seiner Spieler zu FASS kommt? Sagt er: ?Der hat es verdient, den solltest du nehmen.? oder suchst Du Dir die Jungs selber aus, wenn Du zu DNL-Spielen gehst? CL: Ich bin schon sehr oft bei den DNL-Spielen um mir die Jungs anzugucken. Da reden wir natürlich zusammen über die Spieler und es kommt schonmal vor, daß ich eigentlich einen hochholen will und Andreas sagt: ?Nein, laß den mal lieber hier, der ist zur Zeit nicht so gut drauf oder der hat es derzeit nicht verdient.? In solchen Fällen höre ich natürlich auf ihn, schließlich trainiert er mit ihnen fünfmal in der Woche und weiß dadurch besser als ich, wer es verdient hat zu uns zu kommen. Das läuft aber alles offen und ehrlich ab, so daß beide Seiten davon profitieren. ED: Zuletzt noch eine Frage zur taktischen Aufstellung. Bisher war es mit dem Oberligaprojekt so, daß das gleiche System wie bei den Eisbären gespielt wird. Es sah heute so aus als würdet Ihr auch das F3-System spielen, oder täuscht das? CL: Ja wir versuchen es zumindest. Ich finde das System sehr gut, aber dazu brauchst du ein läuferisch starkes Team. Für die jungen Spieler ist es sicherlich viel schöner ein offensives System zu spielen. Wenn du jung und hungrig bist, magst du total defensive Systeme nicht, da passiert zu wenig, es macht ihnen einfach keinen Spaß. Andersherum ist es natürlich für unsere älteren Spieler sehr hart, so viel zu laufen. Aber trotzdem, ja wir versuchen genau wie die Eisbären das F3 zu spielen. ED: Danke Chris. Quelle: Mit freundlicher Genehmigung des Eis-Dynamo - das Fanzine der Eisbären. Das Interview ist erschienen am 30.12.09 im Eis-Dynamo 110, Dezember 2009/Januar 2010.

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