» Kommentar: Die Mauer muss weg!

Gratulation an Leipzig zum Aufstieg. Gratulation an ECC und FASS zum Aufstieg. Sogar an die Wild Boys Chemnitz: Gratulation zum Aufstieg! Sie alle dürfen sich ab September Drittligist nennen. Nie mehr Vierte Liga, nie mehr, nie mehr... Scherz beiseite, die jetzt begonnene Ligareform ist im Prinzip vernünftig, sie war ohne Alternative. Ein schiefes und ungerechtes Konstrukt - eine bundesweite, vom Süden dominierte Oberliga, in die kein Regionalligist aufsteigen darf, jedenfalls keiner aus Nord/West/Ost - wird begraben. Kommen soll eine Oberliga in vier Gruppen, aber wie deren Verzahnung in Richtung Aufstieg zur 2. Bundesliga geregelt werden soll, ist nicht entschieden. Das werden weitere Beratungen in den nächsten Wochen hoffentlich ergeben. Was bis jetzt klar ist, sollte aber die Ostklubs auf den Plan rufen. Denn ihre Liga kommt im Detail bisher nicht vor. Wird der Osten etwa abgehängt? Schon vor dieser Saison - beim Theater um die geplatzte Oberliga Nord und die Blue Lions Leipzig - schien eine Mauer entlang der alten Zonengrenze emporzuwachsen... Der Reihe nach. Was wird passieren? Aus der Oberliga wird eine Oberliga Süd unter Regie des DEB. Dafür stehen acht Klubs von Peiting bis Füssen zur Verfügung. Zwei Aufsteiger aus der Bayernliga, wofür es genügend potente Kandidaten gibt, würden das Feld auf zehn Mannschaften bringen. Ein Zweitliga-Absteiger Freiburg würde ebenfalls hier landen, denn Baden-Württemberg wird endlich korrekterweise den Bayern zugeordnet. Kann sein, dass man sogar auf zwölf Teams und 44 Spiele kommen möchte - der Süden gibt das her. Und er wäre endlich die für ihn schrecklichen Nordlichter los. Herne, Dortmund und Bad Nauheim, sofern nicht einer nach oben entschwindet, würden nämlich in eine Oberliga West wechseln, deren Grundstock die Regionalliga West ist: von Duisburg bis herunter zu Platz neun oder zehn. In NRW mag man auch die 12 als Sollzahl. Im Norden und Osten bleibt alles beim Alten, nur dass die Regionalligen umbenannt werden: in Oberliga oder 3. Liga. Die Teilnehmer dürften dieselben wie in dieser Spielzeit sein, wobei der Norden die Schlusslichter vielleicht kappen sollte. Diese Vierteilung ist derzeit und wohl auf lange Sicht die einzige taugliche Variante. Eine Teilung in 'bayerische Bundesliga' (Bernd Truntschka, Landshut) und 'Bundesliga für den Rest der Welt' (dito) funktioniert nicht. Der Gesamt-Norden bekommt die nötigen zehn Vereine nie und nimmer zusammen. Die Entfernungen zwischen Essen, Timmendorf und Leipzig sind zu groß. Derbys ziehen besser als prominente Teams aus weit entfernten Regionen. Die Teilung in vier etwa gleich große Gebiete ist zudem transparent und logisch - egal, wieviele Aktive sich hier und dort tummeln mögen. Wenn es danach ginge, müsste es eine Oberliga Allgäu geben. Es ist daher dem Süden hoch anzurechnen, dass er einfach nur unter sich bleiben will und den Rest machen lässt. Mit anderen Worten: Rosenheim wäre künftig einer von 40 (nicht mehr nur elf) Oberligisten, genau wie die Pferdeturm Towers Hannover und die Dinslaken Kobras. Das sind zwei verschiedene Welten, aber solange die nicht aufeinander prallen, wäre das nur eine Frage von Standesdünkel, der hier offenbar nicht besteht. Nicht einmal einen eigenen Aufsteiger scheinen die künftigen Süd-Oberligisten zu beanspruchen, wenn man der Meldung glauben darf. Vielleicht vertrauen sie darauf, dass sie sowieso klar besser sein werden. Nun zum Osten. Er kann mit der jetzigen Regionalliga zufrieden sein. Auch wenn Leipzig und Halle (noch) eine Klasse für sich sind, fallen die Leistungsunterschiede nicht so krass wie in NRW und im Norden aus. Zweistellige Ergebnisse gab es bisher kaum. Das Niveau ist gestiegen, viele Spiele haben einen knappen Ausgang. Die Tabelle ist nur deshalb nicht weiter interessant, weil es keine Play-Offs geben wird. Ein schwerer Fehler, denn in diesem Jahr wäre ein Kampf um den Strich bei Platz vier enorm spannend. Andererseits wären Play-Offs nur ein nettes Plaisir im März, da es um nichts gehen würde. Aber man darf trotzdem neidisch nach Rostock und Duisburg schauen. Denn immerhin werden die jeweils zwei besten Teams aus Nord und West einen gemeinsamen Meister ausspielen. Da guckt der Osten in die Röhre. Und das nehmen wir als schlechtes Vorzeichen für 2010/11... Der Flirt des Nordens mit dem Westen geht nämlich weiter. Die Altbundis machen Ernst mit dem Zwei-Phasen-Plan, der in Radio Eiskalt im Juni 2009 für den gesamten Bereich nördlich des Weißwurst-Äquators vorgeschlagen wurde. Nur sie machen's ohne den Osten. Die Oberligen West und Nord wollen ihre Vorrunden bis Anfang Januar abgeschlossen haben, dann verzahnen die jeweils besten vier oder fünf Teams zu einer Meisterrunde. Ob daraus die besten vier oder zwei Mannschaften schließlich Play-Offs gegen wen-auch-immer spielen, um den oder die Aufsteiger in die 2. Bundesliga zu ermitteln - das steht jetzt noch in den Sternen. Noch. Also sollten die Ostklubs bzw. ihr Ligenleiter beizeiten die Hand heben, um die eigenen Interessen in diese Konstruktion zu integrieren. Ein Vorschlag wäre, die besten vier Teams aus Nord-West über Kreuz Play-Offs gegen die besten vier Teams aus dem Osten spielen zu lassen. Natürlich könnte man auch regional anfangen und erst ab Halbfinale über Kreuz spielen. Die reizvollste und einfachste Variante ist leider schon tot: Bundesweite Play-Offs mit den jeweils vier Besten aus Süd, Ost, Nord und West. Das wäre ein Fest für die 3. Liga gewesen und ein Härtetest für die Spitzenteams, gerade im Hinblick auf den riesigen Sprung zur 2. Liga. Eine Pokalrunde des Ostens mit dem Norden dürfte 10/11 aus Terminnot wegfallen, wenn Rostock und Braunlage bis Ende Dezember ihre Vorrunde durchziehen müssen. Man kann verstehen, dass Nord und West Lust auf eine gemeinsame Meisterrunde haben, weil sie zuviele schwache Klubs in ihrer Liga mitschleppen. Doch im Osten sollte man sich nicht selbstgefällig zurücklehnen und Inzucht betreiben. Eine Doppelrunde der Liga ist okay, aber darüber hinaus ist Abwechslung wichtig. Und es muss wieder um irgendetwas gehen, und sei es ein utopischer Aufstieg in die 2. Liga. Der Osten darf sich nicht abkapseln oder von anderen Landesverbänden in die Isolation drängen lassen. Die Mauer muss weg! Sven Crefeld für Radio Eiskalt

Zurück