» Vancouver - "Die Stars begegnen uns hier mit mehr Respekt" (Interview)

Die WELT: Herr Winnekens, Sie kommen gerade vom Spiel der Russen gegen die Slowakei (1:2). Wie war es denn mit Alexander Owetschkin, dem russischen Superstar? Felix Winnekens: Mit mir gesprochen hat er nicht. Auf dem Eis wirkte er sehr unzufrieden mit dem Spiel. Passend zum Ergebnis also. Die WELT: Beim Auftaktspiel Kanadas hatten Sie die Tor-Sirene der Norweger zu bedienen. Endstand war 8:0. Winnekens: Da war ich als Torrichter eingeteilt. Ab dem zweiten Drittel wurde das ganz schön stressig. Die WELT: Wer gefällt Ihnen denn besser? Owetschkin oder Sidney Crosby, der kanadische Top-Spieler? Winnekens: Bis jetzt gefällt mir Crosby etwas besser. Er erscheint mir etwas aktiver als Owetschkin. Die WELT: Sie pfeifen im Gespann mit NHL-Referees. Wie klappt die Arbeit mit den Kollegen aus den USA? Winnekens: Für uns Europäer ist die Umstellung nicht so großHier wird nach den Regeln des Weltverbandes IIHF gespielt. Für die Amerikaner heißt das, dass sie anders pfeifen müssen als in der NHL. Die WELT: Das Feld ist kleiner als in der DEL. Was heißt das für die Referees? Winnekens: Das Spiel wird dadurch natürlich dichter und schneller. Das bedeutet, dass die Spieler mehr Körperkontakt haben und wir mehr Entscheidungen zu treffen haben. Die WELT: Wie springen die Superstars aus der NHL mit einem jungen Schiedsrichter aus Deutschland um? Winnekens: Ich muss sagen, dass ich positiv überrascht bin. Sie wissen, dass die Referees sich genauso für Olympia qualifizieren mussten wie sie selbst. Deswegen begegnen sie uns mit mehr Respekt als die Spieler bei einem DEL-Spiel. Die WELT: Wie erleben Sie die Atmosphäre rund um das Eishockey-Turnier? Winnekens: Die Stimmung ist toll, Eishockey ist ja der Nationalsport der Kanadier. Da wir nicht im Olympischen Dorf wohnen, erlebe ich das meist nur in der Arena. Dort sind die Kanadier ganz locker. Zum Aufwärmen haben sie Fußball gespielt in den Katakomben. Die WELT: Am letzten Tag finden Eishockey-Finale und Schlussfeier statt. Eigentlich ein netter Doppelpack. Winnekens: Für das Finale muss alles passen. Die Deutschen dürfen nicht ins Endspiel kommen, meine Leistung muss stimmen. Aber zur Schlussfeier gehe ich auf jeden Fall. Die WELT: Hätten Sie Olympia eigentlich lieber als Spieler miterlebt? Winnekens: Ich war ja Spieler. Jeder Verein in Deutschland muss aber eine bestimmte Quote an Schiedsrichtern stellen. Mein Klub FASS Berlin brauchte 2001 dringend einen Referee, da habe ich die Seiten gewechselt. Und es bis heute nicht bereut. Quelle: Simon Pausch für WELT Online

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