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War es im Jahr zuvor nahezu eine Katastrophe, schon eine gewisse Peinlichkeit (7 Punkte, nur ein Sieg), die man seinen Fans zugemutet hatte, so darf man heuer durchaus Positives bilanzieren. Um es aus meiner ganz persönlichen Sicht zu formulieren: "Mir hat es überwiegend Spaß bereitet, diese junge Truppe im Erika-Hess-Stadion erlebt zu haben." Und das in insgesamt 17 Spielen, die Freundschaftsspiele gegen den großen EHC Eisbären und die Pokalspiele eingerechnet. Mehr ging nicht, da es doch einige Überschneidungen mit dem EHC und den Basketballern von ALBA Berlin gab, deren Spiele ja auch nicht ohne gewissen Reiz sind. Mir hat es vor allem gefallen, diese junge Mannschaft mit Leidenschaft kämpfen und teilweise auch gut spielen zu sehen. Ganz gleich, wen Trainer Chris Lee aufs Eis brachte, und das waren insgesamt 35 Spieler aus den Bereichen FASS Altgediente, FASS Neuzugänge, ehemalige EHC Juniors und EHC DNL-Jungs ? fast immer sah man das Bemühen, das Beste zu geben und als eine Einheit aufzutreten. Dass es dabei auch einige Lehrstunden (wie z.B. am letzten Heimspiel-Wochenende gegen Halle und den ECC Preussen) gab, war angesichts der Konstellation mit Klubs wie Leipzig, Halle und Rostock (im Pokal) durchaus einzukalkulieren. Ebenso war klar, dass es bei einer Altersspanne von 16 bis 33 Jahren durchaus Aktivitäten auf dem Eis gab, die man einerseits mit dem Ungestüm der Jugend, andererseits dem "gestandenen" Alter mit den daraus zu folgernden Nachteilen erklären kann. Wenn Übereifer und Forsche mit Routine eine "Ehe" eingehen, fehlt manchmal die Harmonie, die von den meistens erfahrenen Gegner genutzt wird. So ein kleiner Pass von der eigenen Grundlinie quer am Tor vorbei zu einem an der blauen Linie lauernden Stürmer kann schon mal abgefangen und zu einem "dummen" Gegentor verwertet werden. Oder wenn sich der letzte FASS-Spieler auf der eigenen blauen Linie, von zwei Angreifern konfrontiert, auf den Hosenboden setzt, ist der Weg eben frei für den Gegner. Oder wenn, wie ganz frisch aus dem Spiel gegen Niesky in Erinnerung, gleich drei "Fässer" beim Stand von 2:1 allein auf das gegnerische Tor zu rollen und sich dabei den Puck so lange zuspielen, bis diese "Tausendprozentige" vergeben ist. Oder wenn man bei Unterzahl gleich viermal die Möglichkeit hat, den Puck aus dem Drittel zu befördern, ehe dann doch der gegnerische Treffer fällt. Dann wirkt das berühmte HB-Männchen im Vergleich mit Manager Peter Wagenfeldt beinahe wie ein Schlafsack ... Doch wie gesagt: Das Positive ? zumindest bei den Heimspielen, habe ich doch kein Auswärtsspiel erlebt, sieht man von den Lokalderbys gegen die insgesamt bitter enttäuschenden Preussen Juniors ab ? überwog in meiner Erinnerung und wird auch durch 32 Punkte und neun Siege auf dem Papier bestätigt. Wie sich die Disziplin unter Coach Lee auf dem Eis verbessert hat, muss man auch feststellen, dass sich das Verhalten gegenüber den Schiedsrichtern verändert hat, selbst wenn das nicht immer ganz leicht war. Denn wenn die Klub-eigenen Referees Schulz, Winnekens und Linnek mit ihrer Einstellung "Nur kein Heimschiedsrichter sein zu wollen" wiederholt im Zweifelsfalle gefühlt gegen FASS entschieden, muss man schon ein ganz dickes Fell haben, um nicht auszurasten. Vor allem, wenn man noch keine 20 Jahre jung ist. Nicht alle Schiris sind eben so souverän (und im eigenen Lager akzeptiert) wie die beiden Kanadier, die gerade das Olympische Finale Kanada-USA leiteten. Was letztendlich den entscheidenden Ausschlag für den Wandel von der vergangenen zur jetzt endenden Meisterschafts-Saison gab, war neben der sichtbaren Erhöhung der Schnelligkeit durch die läuferisch gut ausgebildeten Youngster der Wechsel im Tor: Nicht zuletzt sagt man, dass der Torhüter im Eishockey mehr als 50 Prozent für eine Mannschaft an Qualität ausmacht: Sebastian Albrecht und Christian Krüger waren genau die Garanten dafür, dass es für eine Mannschaft, die als einzige in der gesamten Liga auf einen Importspieler verzichtete, eine schöne und durchaus erfolgreiche Saison gab. Und wenn es in der nächsten Saison, ganz gleich wie die Liga auch heißen wird und vorausgesetzt, dass die so fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Deutschen Meister fortgesetzt wird, weitergeht, darf man hoffen, dass auch die Tribünen des Erika-Hess-Stadions wieder etwas gefüllter sind ? der Klub FASS, seine Verantwortlichen und vor allem die tüchtige Mannschaft haben es sich in dieser Saison allemal verdient. Mit freundlicher Genehmigung von: Werner Ludwig/Freier Journalist - veröffentlicht im Programmheft zum 21.03.2010

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