» Karel Slanina im Gespräch: "50 Prozent akzeptiere ich nicht" - Teil 1 + 2

Sie haben Anfang April bereits einige Trainingseinheiten geleitet. Wie war die Beteiligung? Zwei Drittel der Mannschaft waren da, die jüngeren Spieler vor allem. Nach der schlechten Saison haben einige Spieler sicher erst einmal genug gehabt. Vielleicht ist es gar nicht so verkehrt, wenn sie wieder einen freien Kopf kriegen. Damit hat die Sommerpause beim ECC begonnen... ...das ist die schlimmste Zeit! Wir müssen jetzt mit den Spielern verhandeln, die da sind, und mit anderen, ob sie zu uns kommen wollen. Klar ist: Wir wollen viel mit jungen Spielern arbeiten. Ich finde, sie sollen in der Oberliga ihre Chance bekommen. Ob sie die nutzen oder nicht, ist etwas Anderes. Was reizte Sie daran, aus dem Nachwuchs- in den Männerbereich zu wechseln? Unser Vizepräsident Thomas Leonhardt wollte schon immer, dass ich mich auch bei der 1. Mannschaft engagiere. Ich habe mich dagegen stets ein bisschen gesträubt und gesagt, dass ich mich beim Nachwuchs wohlfühle. In der vergangenen Saison ist die Situation ein wenig eskaliert... Ich meine, Heiko Awizus hätte auch nicht viel mehr machen können. Mit den langwierigen Verletzungen muss ein Trainer leben, aber man hat natürlich damit schlechte Karten. Dann hat Herr Leonhardt mich noch einmal gefragt. Ich habe gesagt: Gut, ich probiere es jetzt und werde das zwei Jahre machen. Aber nur unter der Voraussetzung, dass man auch die jüngeren Spieler einbezieht. Klingt logisch, wenn man die Erfolge der Jugend-Mannschaft betrachtet. Wir haben eigentlich keinen schlechten Nachwuchs, und da muss einfach etwas herauskommen: Die Jungs müssen in die 1. Mannschaft integriert werden. Mit den Jungs muss geredet werden, die müssen überzeugt werden! Klar, der Sprung in die 1. Mannschaft ist schon groß. Die Älteren akzeptieren die Jungen vielleicht am Anfang nicht so, und umgekehrt herrscht zuviel Respekt vor den Älteren. Das muss sich vermischen. Die Älteren sollen die Jungen führen - die Jüngeren sollen Spaß daran haben, da oben mitzuspielen. Muss die Mannschaft umgebaut werden oder bleibt es beim bekannten Personal? Ich denke, dass der Kader im Wesentlichen zusammenbleibt. Der eine oder andere wird gehen. Das ist nicht so schlimm, da wir auf unseren Nachwuchs zurückgreifen können. Man kann aber im ersten Jahr keine Riesenerfolge erwarten, wenn die Jungen nachrücken. Sie brauchen zwei bis drei Jahre, bis sie soweit sind. Was sollte passieren, damit 2010/11 mehr als der vorletzte Platz herausspringt? Erstens, dass wir von Verletzungen verschont bleiben. Zweitens, dass wir zwei oder drei Spieler dazu bekommen, die über dem Durchschnitt der Regionalliga sind. Dann mit den jungen Leuten auffüllen - wie weit wir damit kommen, hängt davon ab, inwieweit die anderen Vereine mit älteren Spielern oder Ausländern antreten. Klar, wenn ich keinen Nachwuchs habe, muss ich mir fertige Spieler holen... ... falls ich sie bezahlen kann. Leipzig probiert es immer wieder so und scheitert jedes Mal. Aber ich weiß ja nicht, ob andere Mannschaften auch diesen Weg gehen. Wenn die Tschechen nur zum Spielen über die Grenze kommen, ist das ein Armutszeugnis für das deutsche Eishockey. Als Trainer will ich doch junge Spieler ausbilden! Ich gehe lieber langsamer zum Erfolg. Wenn ein Trainer sagt, er könne mit jungen Spielern nicht umgehen, sollte er einen anderen Beruf lernen und besser Bäcker werden. Ein anderes Problem der letzten Saison war der Trainingsbetrieb: Sowohl die zu geringe Zahl der Einheiten als auch die Job-Verpflichtungen einiger älterer Spieler. Wie wollen Sie darauf reagieren? Es wird sich zeigen, ob wir alle Spieler behalten. Das mache ich auch von der Beteiligung am Training abhängig. Aber natürlich war die Hallensituation sehr ungünstig. Die Jungs wussten zum Teil nicht, wann und wo wir in der folgenden Woche trainieren. Es konnte sich keiner darauf einstellen. Normalerweise hat man einen Plan, dass das Training immer an den gleichen Tagen stattfindet. Also, wenn ich den Slogan "Sportstadt Berlin" höre, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Der Vorstand hat viel Arbeit investiert, ansonsten gäbe es den Verein gar nicht mehr. Ich hätte das nicht gemacht und dem Senat die Ordner vor die Füße geschmissen. In der Pressemitteilung des ECC wurde die beratende Rolle des Wolfsburger Co-Trainers Pavel Gross bei Ihrer Verpflichtung hervorgehoben. Wie ist das gemeint? Das weiß ich auch nicht so genau. Aber ich bin mit Pavel Gross sehr gut befreundet. Wir beide haben zusammen die Capitals trainiert, da war er ja auch noch Spieler. Ich halte von ihm als Trainer sehr viel. Er ist von der Persönlichkeit, vom Können und Wissen her auf höchstem Niveau. Es überrascht mich überhaupt nicht, dass Pavel jetzt in Wolfsburg Cheftrainer wird. Ich hatte ihn ja seinerzeit an Wolfsburg Manager Charly Fliegauf empfohlen. Und da Berlin und Wolfsburg nicht weit entfernt sind, hat man sich ein bisschen zusammengereimt, dass der ECC... ... Förderlizenzspieler aus Wolfsburg bekommen könnte? Das hängt davon ab, wie wir trainieren. Pavel würde mir bestimmt Spieler geben. Doch ich muss ihm Recht geben, wenn er sagt: Ich brauche dir keinen zu schicken, wenn ihr nur zwei Mal pro Woche trainiert. Dann kann ich den Spieler absolut nicht verbessern. Ich plädiere auf drei bis vier Trainingseinheiten bei uns, erst dann kann man über Förderlizenzspieler reden. Die müssen nicht jedes Training bei uns machen, aber ein bis zwei Mal pro Woche muss schon sein - und dann das Spiel in der Oberliga. Man kann gewisse Kompromisse eingehen, aber nicht zu viele. Ich will auch nicht, dass unsere eigenen Spieler am Wochenende zugucken müssten, wenn die Förderlizenzspieler zum Einsatz kämen. Nochmals zur Kaderplanung: Mit welchen Spielern wollen Sie arbeiten, mit welchen eher nicht? Ehrliche Antwort: Ich weiß es wirklich noch nicht. Ich habe mir gerade die Liste ausgedruckt. Ich rede in den nächsten Wochen mit den Leuten. Wer dabei bleibt, das wird sich im Sommer von allein herauskristallisieren. Wir spielen Oberliga, damit die Leute einen Job haben können, aber zwei Mal pro Woche muss jeder Spieler beim Training sein. Ich schicke ungern jemanden nach Hause, aber wenn einer nicht trainiert, muss er verstehen, dass ich ihn nicht aufstelle. Wie sehen Sie die Qualität des Kaders? Die Liga ist recht stark - können alle Spieler mithalten? Das ist auch eine finanzielle Frage. Wir haben nicht viel Geld, aber manchmal lässt sich mit wenig Geld etwas machen. Ich habe einige Bekannte von früher, die heute als Spielervermittler arbeiten... Wir werden versuchen, das Team in dem uns gesetzten Rahmen zu verstärken. Unsicher ist, wie es in Leipzig weitergeht. Da spielen genügend ehemalige Berliner. Wir verhandeln auch mit den Leipziger Spielern, aber die sind so verwöhnt von der Bezahlung. Wir haben gerade heute (Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde am 16. April geführt) ein Gespräch mit einem Spieler von Leipzig gehabt, den ich gern nehmen würde, weil ich den Jungen kenne. Das muss aber der Vorstand entscheiden. Da geht es natürlich ums Finanzielle, ob ja oder nein. Ich hätte den gleich genommen, ohne zu überlegen. Welche anderen Möglichkeiten, den ECC zu verstärken, sehen Sie in der Liga oder darüber hinaus? Ein Spielervermittler sagte mir vor ein paar Tagen, es gebe derzeit ein Überangebot an DNL-Spielern, die jetzt in den Männerbereich wechseln und irgendwo geparkt werden müssen. Da sind schon gewisse Voraussetzungen, wenn einer DNL gespielt hat. Aber nur mit jungen Spielern geht es natürlich auch nicht. Wir brauchen mindestens anderthalb bis zwei routinierte Blöcke, die in der Oberliga mitspielen können. Der Erfolg hängt jedoch auch davon ab, wie weit wir kommen und ob wir Spaß haben. Wenn man fast jedes Spiel verliert, ist der Spaß gleich Null. A propos Routine: Planen Sie mit Jan Schertz und Jochen Molling? Bei Jan denke ich schon, dass er noch eine Saison dranhängt. Bei Jochen weiß ich nicht, was passiert. Er ist wieder fit und hat voll trainiert, ohne Schmerzen. Er wäre eine Verstärkung, klar. Ich kenne ihn von klein auf, habe ihn im Knaben- und Schülerbereich trainiert - da weiß ich, wen ich habe. Ich hoffe, dass er bleibt. Wir versuchen, ihn hier ein bisschen als Trainer einzubinden, er hat ja den B-Schein, so dass er auf dieser Schiene etwas macht. Er weiß, wie ich trainiere, und ich hoffe, dass dies für ihn ein Grund zu bleiben ist. Wie wollen Sie den ECC ins Vorderfeld der Liga führen - denn weniger akzeptieren die Fans wohl nicht? Ich mache diese Arbeit nicht alibimäßig. Das verlange ich auch von den Spielern. Ich habe den Jungs schon gesagt: Wenn ich es mache, mache ich es richtig. Ich will nicht, dass ich da stehe und mich bemühe, und die Spieler geben nur 50 oder 70 Prozent. Das mache ich nicht mit. Dann trenne ich mich auch von solchen Leuten. Auf der anderen Seite kann ich reagieren, wenn jemand wegen seines Jobs mal nicht kann. Doch im Spiel herumfahren, das akzeptiere ich nicht von einem erfahrenen Spieler. Dann spiele ich lieber mit jungen Leuten, die Einsatz zeigen. Ich verliere ungern. Den Durchbruch hat der 16-jährige Verteidiger Jaro Seemann geschafft. Wie geht es mit ihm weiter? Ihn habe ich jetzt voll in die 1. Mannschaft aufgenommen. Jaro habe ich das erste Mal bei den Schülern gesehen, der kam aus Spandau oder so. Da habe ich gleich gesagt, dass ich den Jungen haben will. Ich habe schon gedrängelt, dass Seemann in der Regionalliga gebracht wird, da wurde dann aber leider auch ein Dreivierteljahr verschenkt. Der Vater vertraut mir bei der Ausbildung von Jaro. Von daher denke ich, dass er die Oberliga spielen wird. Vielleicht bleibt er nicht die ganzen zwei Jahre bei uns, da werden sich noch andere Vereine für ihn interessieren. Wenn einer gut ist und Talent für die Zweite Liga oder DEL hat, will ich die jungen Spieler auch nicht krampfhaft an uns binden. Eine auffällige und umstrittene Figur beim ECC war der lettische Stürmer Aleksanders Fadejews - torgefährlich, aber auch Strafbankkönig. Wie beurteilen Sie ihn, hat er eine Zukunft in Ihrem Team? Er kann auf jeden Fall noch besser werden, vor allem disziplinierter. Das muss er begreifen, schon im eigenen Interesse, dann ist er noch wertvoller. Mir hilft er nicht, wenn er auf der Strafbank sitzt. Aber daran kann man arbeiten. Er ist ja jung. Ich habe mit Aleksanders Fadejews gesprochen, bevor er nach Lettland heimgekehrt ist, und ihm erklärt, was ich beim ECC vorhabe. Das hat ihm gefallen. Der wird nach Berlin zurückkommen, aber die Zeit bis zum Sommer ist noch lang. Die Ausländerposition ist jedenfalls einfacher mit guten Leuten zu besetzen. Wie geht es Philip Reuter, hat er seine Knieverletzung auskuriert? Ist er zurück im Training? Er fängt jetzt langsam wieder an. Er war auch noch ein paar Mal auf dem Eis, aber ich habe ihn heruntergeschickt und ihm gesagt, dass er keine neue Verletzung riskieren soll. Er muss im Sommertraining richtig aufbauen, damit er im Herbst fit dasteht. Wann beginnen Sie mit dem Konditionstraining? Wir wollen am 15. Mai anfangen und dann bis zum Sommer durchziehen. 14 Tage, bevor wir aufs Eis gehen, gebe ich den Jungs nochmals frei. Wo steht der ECC Preussen Juniors in zwei Jahren? Wir müssen die nächste Saison im Erika-Hess-Stadion noch irgendwie überleben. Und dann hoffe ich, dass 2011 mit der neuen Halle am Glockenturm alles besser wird. Falls sie fertig wird. Vielen Dank und alles Gute für die Zukunft. Sven Crefeld für Radio Eiskalt

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