» Saisonrückblick Teil 3: ECC Preussen Juniors und FASS Berlin steigen auf

Es war Jahr eins nach der Deutschlandhalle. Da ein Kampf um die Eisfläche in der maroden Halle praktisch nicht stattgefunden hatte, war klar, dass es erhebliche Probleme mit den Eiszeiten geben würde. Zumal die "adäquaten Ersatzlösungen" entweder zu teuer oder nicht realisierbar waren. Am Ende landeten die Eissportler im Hangar 3 vom Flughafen Tempelhof. Und mehr als eine Notlösung ist dieses Gebäude wirklich nicht. Was also tun? Der ECC brauchte eine Spielstätte. Nur wollten sie nirgends hin. Der Welli ist den Anhängern nicht zu verkaufen; selbst das Angebot, Nachwuchsmannschaften fest im Welli unterzubringen (inklusive Nutzung aller vorhandenen Möglichkeiten, wie zum Beispiel Kraftraum) wurde abgelehnt. Der Verein hoffte auf den Hangar 3. Das klappte aber erst im November und das auch nur für den Nachwuchs. Die "Erste" musste wandern und hatte damit die gleichen Bedingungen, wie sie FASS Berlin schon seit Jahren hat. Die Regionalligamannschaft musste ihre Heimspiele im Eisstadion Wedding austragen, trainiert wurde entweder im Hangar oder im Wedding. Damit war auch klar, dass die Charlottenburger auf die Einnahmen im Cateringbereich verzichten mussten. Kennen die Akademiker auch, denn auch sie versuchen seit Jahren, etwas von diesem Kuchen abzubekommen. Nun musste der Verein also seine Anhängerschaft überzeugen, den Verein auch im Wedding zu unterstützen. Denn Teile der Fans machten keinen Hehl daraus, das sich nicht in den Wedding wollen. Woanders hin allerdings auch nicht, zu sehr waren einige auf die Deutschlandhalle fixiert. Doch was machen einige Leute vom ECC? Erklären doch, sie hätten keine Heimspielstätte mehr, man führe jetzt ein Zigeunerleben und das Eisstadion Wedding würde nie Heimat des ECC werden. Welcher Teufel die dafür Verantwortlichen auch immer geritten hat, sie hatten damit "Erfolg". Ein Teil der "Anhänger" blieb von Beginn an zu Hause. Dabei hätte der Verein auch anders werben können. Schließlich erinnern sich manche Leute ja doch immer wieder an eine Preussen-Vergangenheit. Und die hatte das Eisstadion Wedding auch. Denn der BFC Preussen, aus dem ja 1983 der legendäre BSC Preussen wurde, trug Anfang der 80er Jahre seine Oberligaheimspiele im Wedding aus. Aber das passte wohl nicht in die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins. Also blieb schon zu Saisonbeginn eine große Zahl von Zuschauern den Heimspielen fern. Nun teilten sich die wenigen Anhänger zweier Berliner Viertligisten eine Halle - welch ein Unding... FASS Berlin ging gut vorbereitet in die Saison. Zwar hatten auch die Weddinger mit den Hallenproblemen zu kämpfen, doch kannten sie das Wandern durch Berlins Eishallen aus den vergangenen Jahren. Die Kooperation mit den Eisbären wurde fortgesetzt, nur gab es jetzt statt Oberligaspieler welche vom DNL-Team. Die Neuzugänge bei FASS konnten sich durchaus sehen lassen. Die Torhüter Sebastian Albrecht und Christian Krüger bildeten ein absolut sicheres Torhüterduo. Vom Oberligateam der Juniors stießen Jan-Hendrik Seelisch, und Christian-Alexander Leers zum Team. Benjamin Hüfner und Jari Pietsch wurden von den Dresdner Eislöwen mit Förderlizenzen ausgestattet. Dazu kamen ein gutes Dutzend Spieler aus der DNL, die, ebenfalls mit einer Förderlizenz ausgestattet, das Team der Weddinger verstärkte. Der ECC hingegen musste mit Yann Jeschke und Marvin Krüger zwei Topabgänge verkraften. Jeschke sollte durch Ex-Nationalspieler Jochen Molling ersetzt, im Sturm sollte die Last auf mehrere Spieler verteilt werden. Sportlich konnte das Abschneiden beider Teams unterschiedlicher nicht sein. Der Titelverteidiger aus Charlottenburg konnte in keiner Phase der Saison an die vorderen Tabellenplätze anklopfen. Selbst der Gewinn des ersten Duells mit FASS konnte dem Team keinen Schub verleihen. Das Team blieb immer im Tabellenkeller. Zu allem Überfluss musste der ECC eine Reihe von Verletzungen bei wichtigen Spielern hinnehmen. Mit André Berger und Jochen Molling fielen zwei wichtige Verteidiger über längere Zeit aus. Im Sturm erwischte es dann auch noch Topscorer Philip Reuter, der im Dezember mit einer Knieverletzung für den Rest der Saison passen musste. Dazu gesellten sich auch noch immer wieder andere wichtige Spieler. Und da im Sturm niemand Abgang Marvin Krüger oder eben Philip Reuter ersetzen konnte, herrschte Flaute im Sturm der Charlottenburger. In der Abwehr des ECC sah es nicht besser aus. So konnte der Titelverteidiger nur 23 Punkte aus den 32 Saisonspielen gewinnen. Das reichte gerade aus, um nicht die rote Laterne aus dem Wedding nach Charlottenburg zu holen bzw. im Wedding zu behalten. Einen positiven Eindruck hinterließen die auf Grund der zahlreichen Verletzten eingesetzten Nachwuchsspieler. Zwar konnten sie das sportliche Debakel nicht verhindern, zeigten aber, dass sie in den nächsten Jahren eine Verstärkung für den ECC sein könnten. Womit wir bei den Weddingern wären. Der Tabellenletzte der Saison 2008/09 hatte in erster Linie ein Ziel: Wiedergutmachung für die Vorsaison. Helfen sollte dabei "Neutrainer" Chris Lee, der erstmals als Hauptverantwortlicher hinter der Bande stand. Und er machte seine Sache sehr gut. Er schaffte es aus den "alten" Spielern von FASS und den jungen Spielern eine schlagkräftige Mannschaft zu formen. Zwar gab es die üblichen Probleme mit der Verfügbarkeit der Spielern aus den verschiedensten Gründen wie Beruf und Schule (ein Problem, mit dem auch der ECC in dieser Saison zu kämpfen hatte), dennoch holten die Akademiker 38 Punkte und landeten damit mit großem Abstand vor dem ECC und knapp hinter Jonsdorf auf Platz 7. Das wichtigste Saisonziel der Weddinger, die Weiterentwicklung der FL-Spieler, konnte ebenfalls erreicht werden. Es war dabei egal, wer von den DNL-Spielern zum Einsatz kam, alle erfüllten ihre Aufgabe. Und das teilweise sogar mit Bravour. Da die Beschäftigung aus dem Ligabetrieb den Vereinen nicht ausreichte, nahmen beide Teams noch an einem Regionalligapokal teil. Zehn Spiele sollten die acht Teilnehmer dieses Wettbewerbs bestreiten, das klappte aber nur fast. Die Berliner Teams bestritten acht Spiele. FASS Berlin landete vor dem Lokalrivalen aus Charlottenburg. Welchen Platz die beiden Teams am Ende belegt haben, wissen die Vereine wahrscheinlich nur selbst. Denn die letzten Spiele wurden so vereinbart, dass jeder Verein sein Saisonabschlussspiel gegen einen Wunschgegner bestreiten konnte. Es wurde also einiges geboten in dieser Saison. Dass dies auch so bleibt, dafür werden die Verantwortlichen der Vereine schon sorgen. Zwar ist die neue Ligenstruktur beschlossene Sache, nun muss aber geplant werden. Die Weddinger haben dabei natürlich zunächst Gespräche über eine Fortsetzung der erfolgreichen Kooperation geführt und die Aussage danach hat sicherlich keinen überrascht: Sie wird fortgeführt. Chris Lee bleibt an der Bande der Weddinger und wird dabei von Rumid Masche unterstützt, der in der kommenden Spielzeit nur noch als Stand by-Spieler dem Team zur Verfügung steht. Und bei den Charlottenburgern? Sie haben reichlich Baustellen im Verein und dessen Umfeld, die beseitigt werden müssen. Und sie wollen in den Hangar Tribünen einbauen lassen, um diesen zur neuen Heimspielstätte zu machen. Also ganz nach dem Slogan auf der Internetseite "Back to the Roots". Beim ECC scheint dies zu bedeuten, dass nach der maroden Deutschlandhalle nun ein alter Hangar als "Neue Heimat" folgt. Nur, was machen die Charlottenburger, wenn der Hangar nicht mehr zur Verfügung steht? Eines steht jedoch fest, beide Teams müssen ihre Öffentlichkeitsarbeit schon intensivieren, um neue Zuschauer zu gewinnen. Die erste Personalentscheidung zur neuen Saison gibt es auch schon, Karel Slanina wird künftig die Oberligamannschaft des ECC trainieren. Ob Heiko Awizus innerhalb des ECC eine Funktion übernimmt, stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Berichtes noch nicht fest. Das nächste Mal heißt es: Berlin erobert Sachsen Redaktion Radio Eiskalt

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