» Lokalderby: Eintracht oder Zwietracht?

Derbyzeit in Berlin - Foto: Christian Ulbricht

Vorm Oberliga-Derby FASS Berlin gegen die ECC Preussen Juniors unterhielten sich zwei bekannte Eishockeyfans über Hockey in der Hauptstadt. (Jo)Hannes Maier, Fanforum-Administrator beim ECC und Des Squire von FASS sprachen über das Derby, Fan-Sein und die Unterschiede zwischen den Vereinen und ihren Anhängern.


Was geht in euren Köpfen vor, wenn ihr an das Derby denkt?

DS: Derbytime! Schlicht und einfach! Derbys sind besondere Spiele, da man sich mit einem Stadtrivalen vergleicht. Natürlich werden die Emotionen extremer, denn die Vorfreude gleicht dem Warten auf den Weihnachtsmann. Man fiebert dem Spiel ungemein entgegen. Ich denke aber auch, dass es eine Gelegenheit ist, das Berliner Eishockey an sich zu feiern, egal ob das Spiel in Charlottenburg oder Hohenschönhausen stattfindet. Da das nächste Derby auch das Spiel zum 50. Geburtstag von FASS ist, freue ich mich noch mehr auf das bevorstehende Kräftemessen!

JM: Für Spieler, Offizielle und Fans ist es schon was Besonderes. Spielt man sonst vor 200 – 350 Zuschauern, kommen zum Derby mindestens doppelt so viele. Auch bei mir ist die Vorfreude und Anspannung anders wie zu sonstigen Spielen.
Die letzten Derbys waren friedlich und das ist wichtig. Auch im Welli mit den vielen Eisbärenfans. Respekt, perfekte Organisation, unaufdringliche Ordner, auch wir Preussenfans konnten uns nach unseren Vorstellungen entfalten ohne das uns jemand Knüppel zwischen die Beine geschmissen hätte.
Dafür noch mal herzlichen Dank.


Wie sind eure Gefühlslagen in Bezug auf den ECC Preussen bzw. FASS?

DS: Preussen ist ein sportlicher Rivale; das ist klar! Aber ich weiß, dass die Kommunikation und der Umgang zwischen den Vereinen wesentlich besser ist, als manche Fans wahrnehmen wollen. Preussen macht eine exzellente Nachwuchsarbeit und versucht dies nun in der Oberligamannschaft umzusetzen. Das muss respektiert werden. Als Jemand, der bei den alten DEL-Derbys dabei war, muss ich aber sagen, dass es manchmal sehr hart zur Sache geht. Aber mittlerweile kann ich gut damit umgehen. Verein+Emotion+Derby=Spannung pur!

JM: Zwiespältig. Bis vor ca. drei Jahren hat mir imponiert, das FASS immer wieder auch hochkarätige Spieler an Land gezogen hat. Doug Murray, Marco Rentzsch, Stefan Leciejewski usw. Gleichzeitig hat es mich auch mächtig gewurmt. Patrzek und Czajka hätte ich auch gerne bei Preussen gesehen, aber …
Was mich richtig in Rage gebracht hat, war die anfängliche Heimlichtuerei mit der Kooperation mit den Eisbären. Es war ja nicht so, das man anfangs offen damit umgegangen ist. Inzwischen wird kein Geheimnis mehr draus gemacht und deshalb ist es in Ordnung.


Ist es wirklich ein Derby oder nur Geplänkel um die Zuschauer anzulocken?

DS: Ein Derby ist es auf alle Fälle. Und wie wir alle wissen, bewegt einen Fan nichts mehr als ein Derby! Ich denke, Zuschauer anzulocken ist gar nicht so verkehrt! Immerhin können beide Vereine die Extra-Einnahmen bei den VIER Derbys gut gebrauchen. Ein Derby gibt einem Fan die Gelegenheit, seine Liebe zum Klub und (noch wichtiger) zum Sport zu festigen. Berlin sollte stolz darauf sein, gleich zwei Mannschaften in der Oberliga-Ost zu haben. Kurz zusammengefasst: Es ist ein Derby, das viele Zuschauer und Resonanz verdient hat.

JM: Es kann nie Dynamo – Preussen ersetzen. Trotzdem ist es unterhalb der Eisbären der Knaller im Berliner Eishockeysport. Ich würde mir wünschen, dass auch die Berliner Lokalpresse davon mal wieder Notiz nehmen würde. 1600 Zuschauer sollten doch mindestens einen kleinen Artikel wert sein. Aber dieses Leid teilen beide Vereine.
Da sind wir beim Thema wie geht man als Verein miteinander um?
Der letzte Artikel in der MoPo ist erschienen als ich aus allen Rohren gegen FASS gewettert habe. Muss das denn immer so sein, damit die Lokalfürsten Notiz vom Oberliga-Eishockey nehmen.


Was kann FASS Berlin bzw. ECC  realistisch gesehen in dieser Saison erreichen?

DS: FASS hat das Potenzial, als Zweiter hinter Halle zu landen. Dies ist aber nicht selbstverständlich. Die Oberliga ist eine enge Liga; Jeder kann Jeden schlagen, und das hat man mehrmals in dieser Saison gesehen. Wenn die Mannschaft hart arbeitet und alles gibt, kann man dieses Ziel erreichen. Aber wichtig ist auch, dass die jungen Spieler auch an sich arbeiten und sich als Spieler verbessern. Bei dem ECC wird es etwas schwerer, aber das Team hat durchaus das Potenzial höher in der Tabelle zu sein. Dass sie kämpfen können haben wir neulich beim Spiel in der P9 gesehen!

JM: Einen unteren Mittelfeldplatz. Da mach ich mir nichts vor. Zu den Playoffs werden die Karten neu gemischt, da bin ich durchaus optimistisch, Herr Leonhardt lässt sich nicht am Nasenring rumführen, da kommt noch was!

Was verdient deinen Respekt beim ECC Preussen bzw. FASS?

DS: Die Nachwuchsarbeit bei Preussen imponiert mir sehr - aber auch die Fans. Wenn man denkt, was Preussen in den letzten zehn Jahren durchgemacht hat, muss man seinen Anhänger Respekt zollen. Sie sind bunt, laut, manchmal gehen sie unter die Gürtellinie, aber das ist alles aus Liebe zum Verein. Sie sind immer für ihren Klub da.

Bei FASS ist das anders. Es gibt viele alte Fans, aber auch viele neue. Natürlich hat das etwas mit der Kooperation mit den Eisbären zu tun. Das FASS 50. Jahre alt wird ist sehr beeindruckend und man sollte vor der Arbeit des Vorstands auch Respekt haben, denn FASS hat immer vernünftig gewirtschaftet. Auch das FASS die Kooperation eingegangen ist, war ein guter Schachzug. FASS profitiert davon, aber auch die Eisbären. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und vielen junge Spielern wurde dadurch eine Profilaufbahn ermöglicht, und das ist gut für den Sport.

JM: 50 Jahre gibt es den Verein, dafür erstmal meinen herzlichen Glückwunsch.
Wie oben schon erwähnt, wie FASS es immer geschafft hat, begehrte Spieler an Land zu ziehen. Und die Jugendarbeit mit vielen ehrenamtlichen Helfern kann man nie genug würdigen. Eisbären und Preussen arbeiten in diesem bereich leistungsorientiert. FASS kümmert sich seit Jahren um den Breitensport und holt so die Kinder von der Strasse.


Welcher Spieler beim ECC bzw. FASS imponiert euch am meisten?

DS: Kay Hubranek, ganz klar. Er war immer ein solider Spieler und Führer. Kay kann Spiele allein entscheiden, gibt alles im Spiel und für seinen Klub. Als Aushängeschild der Preussen genießt Kay bei vielen Fans einen hohen Stellenwert…und das nicht nur bei den Preussen-Fans!

JM: Henry Hasse. Ich mag seine Spielweise und seine selbstbewusste Art. Wie der vor ca. 2 Jahren unsere Ikone, Jochen Molling angegangen ist, dazu muss man erstmal das nötige Selbstvertrauen haben. Ich spare schon, der Junge spielt bald bei uns.

Wie geht das Derby aus?

Ich hoffe das FASS gewinnt; immerhin ist es ein Jubiläumsspiel und das wollen wir selbstverständlich mit drei Punkten krönen. Aber Preussen ist immer gut für eine Überraschung. Derbys haben ihre eigenen Gesetze. Aber wenn es spannend wird, wenn viele Zuschauer (von beiden Klubs) dabei sind, denke ich, dass das BERLINER Eishockey der Gewinner sein wird!

JM: Es geht in die Verlängerung. Was dann passiert ist Lotterie. Ich wünsche FASS Berlin den Aufstieg in die 2. Liga, auch wenn es noch dauern wird.
Dann ist Berlin in allen Spielklassen vertreten und für die Spieler gibt es je nach Leistungsstärke eine Option.

 

 

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