Archiv 2010/11

Unity Cup Gashora 2010

Von Lasse Schulze

 

Am 23.07.2010 war es soweit, das erste multinationale Floorball Hockey Turnier in Ruanda sollte starten. Doch bevor es soweit war, mussten noch einige Dinge erledigt werde und zudem wurde die Zeit knapp. Wir mussten noch das Poster ausdrucken lassen und an strategisch klugen Orten platzieren, um möglichst viele Zuschauer auf das Event aufmerksam zu machen. Über Freunde haben wir erfahren, wer uns das in Kigali ausdrucken kann. Dann wurden die Poster ausgehangen und dabei wurden wir auch gleich von Neugierigen umringt. Danach mussten noch die finalen Mannschaften kontaktiert werden. Das erledigt, haben wir das ganze Equipment nach Gashora gebracht und noch einen Pickup-Truck für den nächsten Morgen bestellt, um die Tore zu transportieren.

 

Am nächsten Tag hat Till die Kanadier, die eigentlich das Woman Center bauen, zur Mithilfe des Baus der Spielstätte abgestellt. Mit deren Hilfe und der Koordination von Lama, der das Woman Center beaufsichtigt, haben wir es geschafft, eine schöne Spielflache zu erstellen. Als Banden dienten alte Eisenträger, die sich hervorragend eigneten. Die Tore wurden von den Kanadiern klassisch rot gestrichen und aufgestellt. Nun sollte nichts mehr schief gehen. Wir waren gespannt, was uns am nächsten Tag erwartet. Am Morgen des Turnier mussten wir noch Tische und Stühle für die Musik und den Sprecherstand aufstellen sowie die riesige Ruanda-Fahne aufhängen. Die Gashora 2010 Tafel wurde aufgestellt und die letzten Absprachen wurden getroffen.

 

Dann ging es auch schon los. Es traten 10 Mannschaften an, die in 4 Gruppen eingeteilt wurden. Die Zuschauer sammelten sich, das Fernsehteam stellte seine Kameras auf, Musik wurde gespielt und ich hielt eine kurze Rede, um die Mannschaften und Zuschauer zu begrüßen und die Regeln zu erklären. Dann gab ich noch Armbänder aus, die von den Frauen des Woman Center am vorigen Tag hergestellt worden waren. Die Armbänder hatten die Funktion, die Teilnehmer des Turniers zu identifizieren und sie dienten auch als Einlass für das Mittagessen und die Players Party nach dem Turnier. Das erste Spiel wurde von Dan, einem Kanadier geleitet, da Till und ich das erste Spiel spielen wollten, um ihnen einen ersten Eindruck zu verschaffen. Es ging gegen die Girls Initiative, eine US NGO, gegen die wir prompt verloren. Das Turnier verlief wunderbar. Ich war sehr überrascht, wie gut die Ruander spielen konnten, obwohl sie noch nie einen Schläger in der Hand gehalten hatten.

 

Auch die ganz Kleinen, die nicht am Turnier teilnehmen konnten, kamen nicht zu kurz, da von uns hinter dem Spielfeld eine weitere Fläche errichtet worden war, auf der frei gespielt werden konnte. Und das wurde es. Kinder nahmen von sich aus Schläger in die Hand und bauten sich Tore aus zwei Steinen. Es war sehr schön zu sehen, wie positiv der Sport angenommen wurde. Am Mittag hatten wir eine kleine Pause, in der die Spieler essen konnten und wir planten noch eine weitere Überraschung für die Kids. Zuallererst haben die Covaga Frauen traditionell getanzt und ein Sänger ist aufgetreten. Außerdem haben wir ein Zielschiessen auf leere Tor mit jeweils zwei Kindern aus dem Publikum veranstaltet. Als Preis dienten kleine Rucksäcke. Der Gewinner wurde hochgehoben und von den Zuschauern bejubelt. Wir suchten extra Kinder aus, die sehr schüchtern waren, was natürlich extra schön war, ihnen einen besonderen Moment zu schenken.

 

Das Turnier nahm seinen Lauf und im Halbfinale standen sich BBR (Building bridges to Ruanda) und das NMEC (Nelson Mandela Education Center, unsere Schüler) sowie die Gashora Primary School und DIHIRO School gegenüber. Nach den spannenden Halbfinalspielen standen das NMEC und die Gashora Primary School im Finale. Nun ging es um den Cup. Beide Mannschaften erhielten zuvor noch eine kleine Pause, die für spontane taktische Mannschaftsbesprechungen genutzt wurden. Till gab dem Cup noch den letzten Schliff, wahrend ich mich auf das Leiten des Finales freute. Es war ein sehr spannendes Spiel; beide Mannschaften spielten, so gut sie konnten und nach der regulären Spielzeit stand es 3:3. Auch nach der Verlängerung konnte keiner der beiden Mannschaften als Sieger vom Platz gehen. Ein Penaltyschiessen musste her (3 Spieler sollten antreten). Beide Mannschaften trafen im ersten Anlauf. NMEC und die Gashora Primary School versäumten es, den zweiten Penalty zu verwandeln. Der dritte Anlauf wurde von NMEC verwandelt. Nun lag es an der Gashora Primary School nachzulegen. Es wurde angelaufen und nicht getroffen. Der Sieg des ersten Unity Cups 2010 ging an das Nelson Mandela Education Center. Das NMEC feierte euphorisch den Sieg und sie führten uns einen Siegertanz vor. Was für ein Finale.

 

Nun war es Zeit, die Siegerehrung vorzunehmen und den Pokal zu überreichen. Die Abschiedsrede fiel mir sehr schwer, da ich emotional sehr berührt war, wie gut alles verlaufen ist und wie viel Spaß alle hatten. Als ich dann den Pokal dem NMEC überreichte wurde noch kräftig gefeiert. Die Mannschaft war zurecht sehr stolz, das Turnier gewonnen zu haben. Till und ich gaben dem Fernsehen noch ein Interview. Das Fernsehteam war ganz begeistert und sie teilten uns mit, dass sie über das Turnier eine Dokumentation anfertigen werden, das sie an das Kulturministerium weiterleiten. Viele Schulen haben uns gefragt, ob sie diesen Sport nicht weiterspielen könnten, auf welchem Untergrund gespielt werden kann und vieles mehr. Die NGO’s machten uns Komplimente über das, was wir erreicht haben. Till erzählte mir noch, dass schon viele Mannschaften und Schulen angefragt hätten, um eine Liga in Ruanda zu gründen.

 

Till und ich sind sehr überrascht über all das positive Feedback. Doch der Dank geht vor allem an all diejenigen, die an das Turnier geglaubt haben, gespendet haben und uns in der Arbeit unterstützt haben. Vielen Dank euch allen! Wir hoffen sehr, das wir das Turnier im nächsten Jahr wiederholen können. Bucht schon mal Tickets, wir brauchen mehr Teams. Bis bald und mehr Berichte gibt es bald.