» "Wir planen mit 150.000 Euro"

Aus dem Zusammenschluss der Eishockeyclubs ERC und ESV 03 ist der Eis- und Rollsportverein (ERV) Chemnitz 07 entstanden. Dem neuen Verein gehören 277 Mitglieder, etwa die Hälfte davon Kinder und Jugendliche, an. Frisch gewählter Vorsitzender ist Rechtsanwalt Thomas Raitzsch, der bisher den ERC leitete. Mit dem 45-Jährigen sprach Redakteur Mario Schmidt. Freie Presse: Mit dem gerade gewonnenen Sachsenmeistertitel ist ein erster Achtungserfolg im Männerbereich erzielt worden. Wie schätzen Sie die zurückliegende Saison ein? Thomas Raitzsch: Durch die Verstärkungen, die wir beispielsweise noch aus Tschechien geholt hatten, waren wir von Anfang an der Favorit - und sind dieser Rolle gerecht geworden. Alles andere wäre eine Enttäuschung gewesen. Schwer getan haben sich die Jungs in Auswärtsspielen gegen Mitfavoriten, da waren wohl Blockaden in den Köpfen. Freie Presse: Jetzt ist der Aufstieg in die Regionalliga perfekt. Wie wird die neue Spielklasse aussehen? Raitzsch: Das steht noch nicht fest. Es gibt Vorschläge, die Regionalliga so zu lassen wie in der letzten Saison. Das würde bedeuten, auch gegen Mannschaften aus dem Norden wie Bremerhaven oder Timmendorf zu spielen. Seltsamerweise unterstützt auch Schönheide diese Variante. Wahrscheinlich fährt man dort gern Bus. Freie Presse: Die Chemnitzer stellen sich das anders vor. Raitzsch: Auf jeden Fall. Wir wollen die territoriale Ausdehnung deutlich eingrenzen. Uns wäre am liebsten, die Regionalliga mit Mannschaften aus Sachsen, Thüringen und Berlin zu besetzen. Das wird sich aber schwer durchsetzen lassen. Die Clubs, von denen die Variante mit den Nordteams befürwortet wird, haben eine größere Lobby. Eine Entscheidung soll im Juni fallen. Freie Presse: Die Mannschaft muss verstärkt werden. Wo streckt der Verein seine Fühler aus? Raitzsch: Hauptsächlich im Inland. Wir haben vier Spieler im Fokus, die noch bei anderen Vereinen wie zum Beispiel Erfurt unter Vertrag stehen und Oberligaerfahrung besitzen. Das wären echte Verstärkungen. Unser slowakischer Trainer Jozef Kovacik will zudem einen Landsmann nach Chemnitz holen. Freie Presse: Apropos Trainer. Sind die Unterschriften unter seinen neuen Vertrag schon gesetzt? Raitzsch: Ja. Jozef Kovacik ist für uns ein Glücksfall. Wir verstehen uns auch menschlich sehr gut. Freie Presse: Warum wird dann immer nur um eine Saison verlängert? Raitzsch: Längerfristig kann man im Eishockey vor allem aus finanzieller Sicht nicht planen. Wir möchten nicht erleben, dass das Geld alle und der Trainer noch zwei Jahre zu bezahlen ist. Freie Presse: Die weitere Entwicklung des ERV wird von den wirtschaftlichen Möglichkeiten abhängen. Inwiefern kann der Etat von 120.000 Euro aus der vergangenen Saison erhöht werden? Raitzsch: Wir planen fürs nächste Spieljahr mit 150.000 Euro. Das ist zu schaffen. Zwei Sponsoren haben angekündigt, ihr Engagement zu verdoppeln. Außerdem konnten wir viele kleine Förderer dazugewinnen. Und wir hoffen auf mehr Zuschauer. Wenigstens einmal sollte die looo-Besucher-Grenze überschritten werden. Freie Presse: Zur Nachwuchsarbeit. Im Verein sind weit mehr als 100 Kinder und Jugendliche organisiert Eis steht aber erst wieder Ende September zur Verfügung. Raitzsch: Das ist ein Problem. Andere Vereine können mindestens einen Monat länger auf Eis trainieren. Für Ende April haben wir ein Gespräch mit Herrn Hauschild (Geschäftsführer der Eissport- und Freizeit GmbH - d. Red.) vereinbart, dem wir sehr optimistisch entgegenblicken. Freie Presse: Ab dem kommenden Schuljahr ist Eishockey eine Profilsportart an den Chemnitzer Sportschulen. Welche neuen Perspektiven eröffnen sich dadurch für den ERV? Raitzsch: Das macht unseren Standort auch für Kinder aus anderen Regionen attraktiv. Die Qualität der sportlichen Ausbildung wird sich erhöhen. Wir wollen auf die- sem Wege Nachwuchs für unsere Männermannschaft ausbilden. Freie Presse: Cheftrainer Kovacik ist bekannter Maßen kein Freund des Rollhockeys. Wird diese Sportart dennoch weiter angeboten? Raitzsch: Ja, wir haben klare Strukturen geschaffen. Es gibt eine Trennung in zwei Abteilungen - Eishockey und Rollhockey. Die Rollhockeysportler verwalten sich finanziell selbst, müssen auch eigenständig auf Sponsorensuche gehen. Die Kinder dürfen nach wie vor beides machen, wobei wir die Entscheidung den Eltern überlassen. Freie Presse: Wo steht der ERV 07 in fünf Jahren? Raitzsch: Ich hoffe, dass wir dann in der Oberliga spielen. Quelle: ERV Chemnitz e. V.

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