» Der verfrühte Leckerbissen

Es ist das Play-off-Duell, auf das viele Westberliner Eishockey-Fans insgeheim gehofft haben. Doch die Halbfinal-Serie in der Regionalliga Nordost zwischen dem ECC Preussen und F.A.S.S. Berlin kommt eine Runde zu früh. ?Diesen Leckerbissen hätte man sich gern für das Finale aufgehoben?, so der Charlottenburger Teamchef Klaus-Werner Riemer. Doch besser vorzeitig aufeinander treffen als gar nicht, denn das Lokalderby verspricht zusätzliche Einnahmen und schlägt mit null Euro Reisekosten zu Buche. Nicht einmal in den Wedding muss der ECC, denn das Erika-Hess-Stadion der Akademiker hat schon auf Sommerbetrieb umgestellt. So finden alle Partien der Best-of-3-Serie in der Deutschlandhalle statt. Spiel 1 beginnt am Freitag um 19:30 Uhr, die zweite Begegnung steigt Sonntag ab 15 Uhr - und das vor für Amateur-Eishockeyverhältnisse vermutlich großem Publikum: ?Wir hoffen, die tausender Marke bei den Zuschauerzahlen zu knacken?, äußert sich Riemer durchaus optimistisch. Dabei scheint die Rollenverteilung des Duells vorab klar: auf der einen Seite träumt der ECC mehr als nur heimlich, still und leise von der Oberliga. Demgegenüber steht der vermeintliche Underdog F.A.S.S., der ?dem Top-Favoriten im Kampf um den Aufstieg Paroli bieten? möchte, wie es Pressechef Gerald Hagen ausdrückt. Das scheint zumindest nicht ganz aussichtslos, denn die vier Derbys in Vor- und Meisterrunde waren allesamt hart umkämpft. Einmal konnten die Weddinger sogar in der Deutschlandhalle gewinnen. Gegen die zuletzt gleichermaßen torhungrigen wie abwehrstarken Preussen ist allerdings eine äußerst disziplinierte Leistung in der Defensive und eine beinahe schon hundertprozentige Chancenverwertung notwendig, wenn es für F.A.S.S. mit einer Überraschung klappen soll. Die hätten aber vermutlich keine Folgen im Hinblick auf einen möglichen Aufstieg, denn der Verein hat in der Vergangenheit stets betont, sich nicht auf ein ?finanzielles Abenteuer? einzulassen. Und das wäre angesichts eines für die Oberliga notwendigen Etats von etwa einer halben Million Euro wohl unvermeidlich. Auch beim ECC ist man sich der Größe der (wirtschaftlichen) Aufgabe bewusst und konzentriert sich daher erst einmal auf seine sportlichen Hausaufgaben. Und die wären im Falle eines Weiterkommens gegen den Stadtrivalen noch nicht erledigt, wartet danach doch entweder Schönheide oder Braunlage in der Endspielserie. Und nur die Meisterschaft berechtigt in der Regionalliga Nordost - zumindest auf dem Papier - tatsächlich auch für höhere Aufgaben. Jörg Leopold für den Tagesspiegel online/Weblogs

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