» Kalte Dusche zum Auftakt

Im ersten Spiel der Saison einen ehrgeizigen Oberligisten herauszufordern, war vielleicht nicht die beste Idee des ECC Preussen. Denn beim Aufgalopp wirkten die Berliner sehr schwerfällig, die Halle Saale Bulls hingegen waren torhungrig, kombinationssicher und jederzeit Herr im Haus. Die hochverdiente 0:10 (0:2/0:6/0:2)-Niederlage weckte bei den Preussen-Fans schlimmste Erinnerungen an die Saison 2006/07, als man ähnliche Pleiten zuhauf erleben musste. Aber natürlich gelten mildernde Umstände. Der ECC traf nach zwei Wochen Eistraining auf einen besser eingespielten Gegner, der schon Tests gegen Crimmitschau und SK Kadan bestritten hatte. Das neue Trainer-Duo - Marco Rentzsch und Heiko Awizus coachten einträchtig nebeneinander - musste noch auf die Stars Doug Murray und Jan Schertz verzichten. Auch Geistler, Jeschke und Werner liefen nicht auf, so dass die Verteidigung alles andere als üppig besetzt war. Die Junioren Pertuch, Labuhn und Kruggel bekamen ihre Chance, außerdem der "Gastspieler" Roman Wunderlich. Von Interesse war natürlich, wie die Trainer das alte und neue Personal mischen würden. Es gab drei Blöcke, die bis zum Schluss beieinander blieben: Kruggel, Mix - Labuhn, Hurbanek, Ciganovic Berger, Watzke - Giermann, Zander, Stephan Neugebauer, Wunderlich - Konietzky, Reuter, Krüger Im Tor stand die klare Nummer 1 der Preussen, Björn Leonhardt. Seinem sechsjährigen Sohn wollte er an dessen Geburtstag sicher eine tolle Vorstellung bieten, aber die Flut der Gegentreffer war dann eher ein Party-Killer. Das fanden jedenfalls die Preussen-Fans auf der Südtribüne, die im unterirdischen zweiten Drittel in ihren trotzigen Dauer-Singsang verfielen, anstatt die Mannschaft anzufeuern. Angefangen hatte die Partie gar nicht so schlecht, denn der ECC konnte die ersten 20 Minuten recht offen halten. Zwar fehlte es an Passgenauigkeit und Schusskraft, aber immerhin besuchten die Preussen öfter mal das Reich jenseits der gegnerischen Blauen Linie. Gefallen konnte dabei die engagierte, schwungvolle Angriffsreihe Konietzky, Reuter, Krüger. Allen anderen Akteuren war anzusehen, dass sie erst einmal Tritt fassen müssen. Die Mannschaft war in punkto Schnelligkeit, Zusammenspiel, Aggressivität noch nicht auf der Höhe. Hoffen wir, dass dies dem frühen Zeitpunkt des Matches geschuldet ist. Die Déjà-Vu-Effekte zur "Ära" Kuhnke sollte man noch nicht an die große Glocke hängen ... Gelegenheit, das eigene Unterzahl-Spiel zu trainieren, gab es ständig, denn Schiedsrichter Schulz ahndete jede Kleinigkeit. Das zweite Powerplay von Halle führte nach acht Sekunden zum Erfolg (ähnlich schnell schlug es später noch zwei Mal ein). Da wurde den Bulls das Toreschießen ganz leicht gemacht. Eine gewisse Laschheit, vielleicht auch Müdigkeit im Abwehrverhalten zeichnete sich bedrohlich ab. 0:2 nach sieben Minuten, aber die Preussen kämpften. Nur leider gegen altbekannte Asse wie Miklik, Kimstatsch, Kasperczyk und den guten (neuen) Schweden-Happen Fredrik Persson. Halle zeigte locker den Klassenunterschied auf. Nur Torwart "Leo" und der Pfosten hielten die Berliner bis zur ersten Pause im Spiel. Das Unheil nahm seinen Lauf im zweiten Drittel, als der ECC weder Mumm noch System aufs Eis brachte. Preussen wurde vorgeführt von spielfreudigen Bulls, die den Puck munter hin- und herschoben, manchmal sogar am leeren Tor vorbei. Leonhardt zeigte einige spektakuläre Paraden, bekam trotzdem weitere sechs Stück eingeschenkt. Die ersten beiden wieder in Unterzahl, das fünfte nach einer symptomatischen Aktion von Wunderlich: Er hatte den Puck durchaus elegant von hinten ins gegnerische Drittel geführt und spielte dann einen haarsträubenden Fehlpass, der als Assist für Ruschs Treffer gelten könnte. Wenigstens ein Ehrentor wäre schön gewesen, aber die immer schwächer werdenden Schüsse der frustrierten Preussen waren leichte Beute für Norbert Pascha, der um seinen Shutout nicht fürchten musste. Im Powerplay konnte der ECC endlich etwas Druck aufbauen, aber wirklich gefährlich sah das auch nicht aus. Ansonsten hier ein ordentlicher Schuss von Neugebauer, dort eine gute Kombination von Berger und Zander. Zwingende Aktionen: Fehlanzeige! Fünf Sekunden vor Schluss tauchte Giermann zufällig allein vor Pascha auf und setzte die Scheibe weit neben das Tor. Das passte zu den harmlosen Sturmleistungen des Abends. Manche Vereine machen ein Stadionfest zu Beginn der neuen Saison. Andere laden sich einen Spielpartner von der eigenen Klasse ein. Noch andere schießen sich gegen einen schwächeren Gegner warm. Der ECC Preussen hat es vorgezogen, als Erstes eine kalte Dusche zu nehmen: Nur gut, dass der Verein das Angebot ausgeschlagen hat, in der Oberliga mitzuspielen. Das ist vielleicht das Ziel - aber nicht die Gegenwart. Mit Darbietungen wie gegen die Saale Bulls würde man ruckzuck die Deutschlandhalle gänzlich leer spielen. Es kann nach diesem ernüchternden 0:10 in jeder Beziehung nur besser werden. Am Sonntag (18 Uhr) beim Rückspiel in Halle ist Gelegenheit, eine Trotzreaktion und auch einen Lerneffekt zu zeigen. Weiter geht's dann am 31. August gegen die Rostock Piranhas, um 15 Uhr in der Deutschlandhalle. 0:1 Kujala (Pohling) 5:16, 0:2 Miklik (Kasperczyk, Persson) 6:36 (PP 1), 0:3 Miklik (Kasperczyk, Persson) 23:34 (PP 1), 0:4 Thiede (Persson, Pohling) 27:01 (PP 2), 0:5 Rusch (Göldner) 31:27, 0:6 Rusch (Flasar) 36:40, 0:7 Kujala (Kimstatsch, Pohling) 36:57, 0:8 Miklik (Rusch, Kasperczyk) 39:29, 0:9 Rusch (Kasperczyk, Reckers) 41:27, 0:10 Reckers (Kujala, Thiede) 52:54 (PP 1) Strafminuten: ECC Preussen 24 - Halle 10 Zuschauer: 397 Quelle: Sven Crefeld für Radio Eiskalt

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