» Andreas Hobuß im Gespräch: "Ich erwarte ein enges Feld"

Vor dem Saisonstart der Regionalliga blickt der Ligenleiter auf die Situation der Ost-Vereine, die nach der Trennung von den Nordklubs eine Doppelrunde spielen werden. Im Interview mit Radio Eiskalt spricht Andreas Hobuß über das Sommertheater, die Perspektiven der Liga und die nötigen Kompromisse beim Modus. Frage: Die Regionalliga Ost spielt mit sieben Vereinen: Neu sind Chemnitz und Erfurt, dafür fehlt der letztjährige Punktelieferant, der Berliner Schlittschuh-Club. Was erwarten Sie von dieser Runde? Andreas Hobuß: Die Liga ist in sich stark und kann attraktive Spiele bieten. Ich sehe keine Überflieger und auch keine Loser. Das wird insgesamt ein eher enges Feld sein. Dennoch ist eine Siebener-Liga sportlich nicht ideal. Ich hoffe, dass die Zuschauer trotzdem kommen. Nun werden die Berliner Fans Gegner wie Braunlage, Adendorf und Timmendorf in der Meisterschaft nicht erleben. Ist das nicht schade? Gab es keine Chance, diese drei Vereine herüberzuziehen? Natürlich wäre es attraktiver gewesen, 14 oder sogar 16 Mannschaften in Berlin spielen zu sehen, als jetzt eine Doppelrunde mit sieben Klubs durchzuführen. Auch das wäre ein Grund gewesen, die Regionalliga Nord-Ost beizubehalten. Beide Ligen für sich sind jetzt unattraktiver. Aber hätte ich im August ultimativ auf einer gemeinsamen Liga beharrt, wären am Ende vielleicht trotzdem nur acht Vereine übrig geblieben. Dann hätten auch wieder einige Leute gesagt: ?Das ist gegen unsere Planung.? Dann lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Man wundert sich allerdings, dass Nordklubs jetzt Freundschaftsspiele gegen Ostklubs durchführen, zum Beispiel Adendorf gegen FASS und Braunlage gegen Schönheide. Für eine gemeinsame Meisterschaft waren angeblich die Reisewege zu lang. Damit werden die Argumente, die in den letzten Monaten gekommen sind, ad absurdum geführt. Aber dafür müssen die Vereinsvertreter sich selber an die Nase fassen, das kommentiere ich nicht. Das Argument der langen Busfahrten war immer Quatsch. Auch der Jonsdorfer muss ja umgekehrt nach Timmendorf, und Jonsdorf war für die eingleisige Liga. Wenn die Nordklubs zwei Mal zu einem Gegner in Niedersachsen fahren, können sie auch ein Mal in den Osten fahren. Man hätte Auswärtsfahrten mit zwei Spielen einrichten können, da gibt es genügend Modelle. Aber ich will nicht mehr zurückschauen. Jetzt haben wir die Regionalliga Ost, und sie gilt es zu entwickeln. Sie wollen mittelfristig eine Liga mit idealerweise zehn Teilnehmern aufbauen. Welche potentiellen Aufsteiger haben Sie im Blick? Ich hoffe sehr stark auf Vereine aus Sachsen. Sollten von dort weitere Mannschaften aufrücken, wäre das eine gute Sache. Allerdings muss man einkalkulieren, dass wir vielleicht einen Verein an die Oberliga Nord verlieren. Dieses Mal hatten wir Glück, dass Erfurt von oben kommt, sonst würden wir nur zu sechst dastehen. Hätte man nicht die Zweitvertretungen von Dresden und Leipzig schon jetzt in die Regionalliga Ost aufnehmen können? Nein, da gibt es Regularien: Der Aufsteiger ist der Meister der Sachsenliga, also Chemnitz. Niemand sonst - Punkt. Ich wehre mich seit Jahren gegen die Wunschvorstellung, dass jeder sich für eine Liga seiner Wahl anmelden kann. Ich will sportlichen Auf- und Abstieg, wir brauchen diese Vorgabe als Anreiz. Bei der Tagung im August, als die Liga geteilt wurde, waren auch schon alle Messen gelesen. Abgesehen davon würde der Landesverband Sachsen nicht drei Mannschaften auf einmal freigeben. In der Bayernliga gibt es 36 Spieltage vor den Play-Offs, die NRW-Ligisten kommen sogar auf 40 Spiele. Der Osten spielt zwar eine Doppelrunde, hat aber im Ergebnis nur 24 Spiele pro Mannschaft. Ist das nicht zu wenig, um ein bestimmtes Niveau zu entwickeln? Niemand ist mit der Liga in dieser Form glücklich, aber wir müssen das Beste daraus machen. Der Modus ist ein Kompromiss. Er ist das, was die meisten Vereine wollen und können. Niesky kann zu bestimmten Zeiten nicht spielen. Die haben nur fünf Monate Eis. Da nützt mir eine Dreifachrunde mit 36 Spieltagen nichts, das ist nicht zu machen. Es ist auch die Frage, ob es sinnvoll ist, drei Mal denselben Gegner im Heimspiel zu haben. Sicherlich ist die Kritik des ECC Preussen berechtigt, dass ein ambitionierter Klub ein besseres Sprungbrett bräuchte, um in die Oberliga aufzusteigen. Doch die Regionalliga Ost kann nichts Anderes bieten als das, was im Moment da ist. Um mehr Spiele zu ermöglichen, wollen Sie einen Pokal-Wettbewerb organisieren, der Nord- und Ost-Vereine möglichst zahlreich wieder zusammenbringt. Wie steht es damit? Das wird sich bis Saisonbeginn klären. Preussen und FASS wären natürlich dabei, Braunlage auch. Jonsdorf hat unter bestimmten Bedingungen Interesse signalisiert. Von den Vereinen aus Hannover erwarte ich die definitive Antwort bis Ende der Woche. Sollten aber nur Ost-Vereine mitmachen, kann man sich den Pokal schenken. Das wäre ja wie Liga. Auch Vergleiche mit Landesligisten helfen niemandem weiter. Kritikwürdig ist der zerstückelte Spielplan. Man hat bis zum Schluss eine sehr ?schiefe? Tabelle. Warum bemühen sich die Vereine nicht um kompaktere Spieltage? In Bayern spielt man einheitlich im Freitag-Sonntag-Rhythmus. Das wäre sicher wünschenswert, aber die Ligenleitung kann das nicht befehlen. Ich kann ja nicht entscheiden, wann welches Stadion zur Verfügung steht. Da gibt es innerhalb der Liga sehr große Unterschiede. Die Berliner hätten weniger ein Problem, weil die Stadien zu bestimmten Zeiten regelmäßig zur Verfügung stehen. Anders ist die Situation in Schönheide und Niesky. Man kann Niesky nicht bis November nur Auswärtsspiele machen lassen, denn die fangen auch mit dem Training später an. Ich kann diese Strukturprobleme nicht dadurch lösen, dass ich Spieltermine anordne. Wir reden hier eindeutig über eine Amateurliga - auch wenn mancher Verein professionelleres Eishockey treiben will und den Aufstieg ins Auge fasst. Das ist eine andere Geschichte. Aber die Ligenleitung greift nicht in den Spielplan ein. Ist die Regionalliga Ost eine Ausbildungsliga oder sollte sie auch für gestandene Spieler interessant sein? Ich sträube mich dagegen, dass pauschal von einer Ausbildungsliga geredet wird. Das ist auch die Oberliga nicht. Das trifft auf die Eisbären Juniors zu, aber überall woanders hat man die Erste Mannschaft, egal ob in Füssen, Leipzig oder Rostock. Richtig ist, dass deutsche U23-Spieler besonders gefördert werden sollen, und zwar unabhängig von der Liga. Wer das Talent für die Oberliga hat, soll dort gefördert werden. Dasselbe gilt für die DEL oder die Zweite Liga. Deshalb gibt es auch in der Regionalliga das System der Doppellizenzen. Ein Argument der Nordklubs für die Teilung war das angebliche ?Aufrüsten? der Ost-Klubs. Man rechnete sich dort nichts mehr aus. Können Sie das nachvollziehen? Das Niveau im Osten ist sicher insgesamt höher als im Norden. Aber es wird in jeder Liga einen Tabellenersten und einen Tabellenletzten geben. Egal, ob man mit 14 oder sieben Mannschaften spielt. Sven Crefeld für Radio Eiskalt

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