» Saison ohne Norden

Am kommenden Samstag (27.9.) eröffnet der Freie Akademische Sportverein Siegmundshof - kurz: F.A.S.S. Berlin - mit einem Heimspiel gegen die Jonsdorfer Falken die neue Saison in der Eishockey-Regionalliga Ost (19 Uhr, Erika-Hess-Eisstadion). Die Betonung liegt dabei auf dem geografischen Zusatz ?Ost?, denn im Gegensatz zum Vorjahr gibt es keine gemeinsame Meisterschaftsrunde mit den Nordvereinen. Warum dies so kommen musste, versucht Ligenleiter Andreas Hobuß in einem Interview bei Radio Eiskalt zu erklären. Für Gerald Hagen, Pressesprecher von F.A.S.S., ist ?die Trennung erstmal schwer zu verdauen?. Allerdings fügt er einschränkend hinzu: ?Es ist der richtige Weg, um feste Strukturen in die Liga zu bringen.? Davon angesichts von nur sieben Vereinen überhaupt noch zu sprechen, erscheint fast schon übertrieben. Beim Lokalrivalen ECC Preussen, der am Sonntag auswärts bei Thüringen Erfurt in die neue Saison startet, sieht man die Sache nicht ganz so dramatisch. Teamleiter Klaus-Werner Riemer bedauert zwar, dass nun ?einige attraktive Spielpartner fehlen? würden, verweist aber auf Freundschafts- oder Pokalpartien gegen den einen oder anderen Nordverein. Ohnehin sieht man die Saison bei den Charlottenburgern mehr oder weniger als Übergangsjahr, denn am Aufstieg in die Oberliga wird bereits jetzt fleißig gewerkelt. ?Die finanziellen Weichen müssen im Laufe der Saison gestellt werden, sportlich sind die Vorbereitungen getroffen,? so Riemer. An der Vormachtstellung der Preussen in der Regionalliga Ost gibt es auch bei der Konkurrenz von F.A.S.S. kaum Zweifel: ?Unser Lokalrivale hat sich auf allen Positionen enorm verstärkt. Da kann keiner mithalten, wenn sie komplett antreten?, ist Gerald Hagen sicher. Dennoch wollen sich die Akademiker so teuer wie möglich verkaufen und streben erneut die Play-off-Teilnahme an. Gelingen soll das mit dem neuen Trainer Benjamin Hecker, der den zum ECC gewechselten Heiko Awizus hinter der Bande abgelöst hat. Auch die Tatsache, dass wieder einige Förderlizenzspieler der Eisbären Juniors für F.A.S.S. auflaufen werden, sorgt für Optimismus bei den Weddingern. Auf EHC-Aktive setzt man auch bei den Preussen - allerdings auf Ehemalige: ?Mit Holger Mix und Jan Schertz konnten zwei erfahrene Spieler gewonnen werden, deren Wiege in Hohenschönhausen bei den Eisbären stand?, erklärt Klaus-Werner Riemer. Es hat durchaus etwas Amüsantes, dass nun ausgerechnet sie mithelfen sollen, dass Westberliner Eishockey wieder nach vorne zu führen. Allerdings mischt sich in die Aufbruchsstimmung bei den Preussen auch ein wenig Angst und das hat mit der nach wie vor unbefriedigenden Hallensituation zu tun. Zwar kann die Deutschlandhalle in dieser Saison noch als Spielstätte genutzt werden, doch wie es nach dem Abriss der Traditionsarena weitergeht, steht immer noch nicht fest. Mit dem Bau einer neuen Eishalle in der Glockenturmstraße soll erst nach der Leichtathletik-WM im Herbst nächsten Jahres begonnen werden - zu spät für die Saison 2009/10, die dann schon läuft. Deshalb steht nun eine Übergangslösung auf dem Flughafen Tempelhof oder in einer Werkshalle in Siemensstadt im Raum - sehr zum Ärger der Preussen-Verantwortlichen: ?Wir halten diese Varianten unter anderem aus Kostengründen für einen Schildbürgerstreich und stehen für die Erhaltung der Deutschlandhalle bis zur Fertigstellung der neuen Eishalle?, bezieht Teamchef Riemer klar Position. Allerdings erscheint es zweifelhaft, dass sich der Club mit dieser Forderung durchsetzen kann. Der Gewinn des Meistertitels in der aktuellen Regionalliga-Saison dürfte da fast leichter zu bewerkstelligen zu sein. Quelle: Jörg Leopold für den Tagesspiegel

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