» Zwei Eisladies fürchten keinen Körperkontakt

Susann Götz und Ivonne Schröder kennen sich ganz gut. Das sollte man auch meinen, schließlich sind beide Ladies. Jedoch keine gewöhnlichen, Götz und Schröder sind Eisladies vom Berliner OSC, sie spielen Eishockey. Heute allerdings nicht mit- sondern gegeneinander. Und dazu noch unter außergewöhnlichen Umständen. In der Regionalliga, der vierten Spielklasse, treten sich die Frauen gegenüber - als Spielerinnen zweier Männermannschaften. "Das ist schon eine interessante Konstellation", sagt Susann Götz, die dank einer Doppellizenz für FASS Berlin stürmen kann. Ein Treffer ist der Torjägerin dort noch nicht geglückt. Wenn sie heute Abend im sächsischen Jonsdorf aufläuft, soll sich das natürlich ändern. Was Ivonne Schröder mit aller Macht verhindern will. Sie steht nämlich im Tor bei den Falken. Für Schröder ist das Normalzustand. "Außer bei der Nationalmannschaft habe ich noch nie bei den Frauen gespielt", sagt die 19-Jährige. Seit die Weißwasseranerin als Kind zum Eishockey kam, mischte sie bei den Jungs mit. Wegen des höheren Niveaus. Selbst die Frauen-Bundesliga kennt Schröder bisher nicht. Sie tritt nur für den OSC an, wenn schwere Spiele zu bestreiten sind. Im Europapokal Ende November soll es soweit sein. Bei Susann Götz, die ihre OSC-Kollegin nur von der Nationalmannschaft her kennt, ist es allerdings eher umgekehrt: Die Eisladies gehen vor. Da aber der Spielplan von Frauen-Bundesliga und Männer-Regionalliga kaum Überschneidungen kennt, kann sie oft für FASS antreten. "Für meine Entwicklung ist das gut", sagt die 24-Jährige. So viel Erfahrung bei den Männern wie die junge Torhüterin hat Götz allerdings nicht. Gerade zwei Jahre war sie bei den OSC-Männern in der Verbandsliga dabei. "Jetzt ist alles viel schneller, man muss schneller denken", hat sie festgestellt. Ivonne Schröder weiß, dass sie es etwas einfacher hat, allein wegen ihrer Position. "Der Unterschied zwischen Torhüter und Stürmer ist sehr groß", sagt sie. Torhüter verhindern eben Tore, das ist überall dasselbe. Die Stürmerin hingegen erlebt ein völlig anderes Spiel. Im Frauen-Eishockey ist Körperkontakt fast tabu, bei den Männern sieht es anders aus, da geht nichts ohne. "Rücksicht", sagt Götz, "erwarte ich deshalb nicht." Bislang blieb sie von harten Checks der Männer allerdings auch verschont. In ihrem zweiten Wochenend-Einsatz muss Susann Götz sich davor auch nicht fürchten. Morgen spielt sie wieder mit den Eisladies - gegen den SC Riessersee (13.30 Uhr, Erika-Hess-Stadion). Marcel Stein für die Berliner Morgenpost

Zurück